1. Timotheus 4, 8 |
fred unregistriert
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Denn die leibliche Übung nützt wenig, die Gottesfurcht aber ist für alles nützlich, da sie die Verheißung für dieses und für das zukünftige Leben hat. (Schlachterbibel 2000)
Übung macht den Meister (1Tim 4,1-11)
Mahnend und warnend, aber auch ermutigend klingen diese Worte, die ein Paulusschüler seinem Mitarbeiter schreibt. Er will ihm damit helfen, nicht blauäugig oder engstirnig, nicht nachlässig, aber auch nicht falsch verstanden asketisch zu sein. Insgesamt meint ja das Wort Askese nicht eine sich selbst verletzende Peitschenknallerei, sondern vielmehr Übung (so heißt ja auch die wörtliche Übersetzung aus dem Griechischen). Von einer solchen richtig verstandenen oder missverstandenen Übung spricht der Text ja auch im V.8. Die dort erwähnte nützliche Frömmigkeit gilt es zu pflegen und zu üben. Sie wird als glaubwürdig und wertvoll empfunden; so wird sie auch beherzigt.
Dafür soll der Apostelschüler, nach dem guten Vorbild seines Meister, auch arbeiten und kämpfen. So wird er auch ein guter Diener Christi. Das kann manchmal auch Schwerstarbeit bedeuten oder einen harten Kampf. Vor allem, wenn man betrügerischen Geistern und heuchlerischen Lügnern gegenübersteht, von denen am Anfang dieses vierten Kapitels die Rede ist.
Dazu ist es notwendig, falsche oder übertriebene oder 'spinnige' Ideen und Vorschriften zu durchschauen und zu entlarven.
(aus: Mit der Bibel durch das Jahr 2008, Ökumenische Bibelauslegungen, S.21, von Paul Weismantel)
Gebet zu 1Tim 4,1-11
Gott, wir bitten um die große Gabe, besonnen zu leben,
damit wir die verschiedenen Geister in uns und in unserer Zeit auch gut unterscheiden können.
Wir bitten um die Gabe echter Frömmigkeit,
damit wir sie ein- und ausüben und unsere Hoffnung auf dich, den lebendigen Gott, setzen.
Wir bitten um Kraft und Stärke,
damit wir dafür arbeiten und kämpfen können, mit Herz und Sinn, leidenschaftlich und zärtlich und kraftvoll zugleich.
(aus: Mit der Bibel durch das Jahr 2008, Ökumenische Bibelauslegungen (Kreuz-Verlag), S.21)
meine persönlichen Gedanken zum Bibelwort
Leibliche Übungen bringen dann ewigen Nutzen, wenn sie der Frömmigkeit, der Gottseligkeit, der Ehrfurcht vor Gott weiter helfen bzw. aus ihr entspringen und sich nicht zu einem eigenständigen Gegenüber der Frömmigkeit, der Gottseligkeit, der Ehrfurcht vor Gott entwickeln. Hier ein paar Beispiele: Meditieren kann helfen, kleinste Facetten Gottes zu erkennen, beten vorzubereiten, Ruhe und Frieden in Gott zu finden; der Besuch des jährlichen Kreuzgangs in röm.-kath. Gemeinde kann dazu dienen, sich mehr auf Christus zu besinnen und seinen Alltag nicht mehr so wichtig zu nehmen; fernöstliche Körperübungen können helfen, mehr zu sich selbst zu finden und sich damit mehr so erkennen zu können, wie Gott einen gedacht hat. Es kommt immer auf die in innere Haltung an, mit der ich eine Handlung, eine körperliche Übung betreibe – wenn ich es mit Gott und für meinen Glauben und meinen Nächsten tue, dann ist es überaus nützlich.
Das heißt nicht, dass ich mich in Frömmigkeit, Gottseligkeit und Ehrfurcht vor Gott ohne körperliches Training nicht üben könnte. Für Christus kommt es allein auf die Haltung im Herzen an, ob es einen ewigen Nutzen – sowohl in dieser Welt als auch in der zukünftigen – hat oder nicht!
Äußerlichkeiten haben im Glauben einen Nutzen, wenn sie von Herzen kommen und nicht nur Äußerlichkeiten bleiben. Dann wird aus Äußerlichkeiten schnell Frömmigkeit, Gottseligkeit und Ehrfurcht vor Gott.
Frömmigkeit, Gottseligkeit und Ehrfurcht vor Gott meinen im Neuen Testament ein Leben und Glauben im Wesen in Sinn Jesu Christi – in Liebe zu ihm/zu Gott, in Liebe zu mir selbst, in Liebe zu meinen Nächsten – also allen Menschen, in Liebe zu meinen Feinden, im Verzicht auf alles Bewerten, Urteilen und Richten meines Nächsten, d.h. aller Menschen!
Ich hoffe, niemand bringt unnütze körperliche Übungen mit der neuen Sündenvergebungs- und Abendmahlsliturgie in Zusammenhang. Die neue Liturgie dient der Frömmigkeit und dem nötigen, auch zeitlichen, Gewicht in den Gottesdiensten. Sie gibt Raum für vertiefte spirituelle persönliche Christus-Erfahrungen, die in dieser hektischen Zeit immer notwendiger werden.
Liebe Grüße
Fred
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von fred: 10.07.2010 22:23.
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10.07.2010 22:17 |
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fred unregistriert
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| Ein wenig Bibelkunde - U.a. Interessantes zu Frauenrolle im Neuen Testament |
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1. Timotheusbrief
Nach derzeitigem Wissen gibt es sieben von Paulus selbst verfasste Briefe (1Thess,1Kor, 2Kor, Phil, Gal, Phlm, Röm) und nachpaulinische Briefe, zu denen auch der 1. Timotheusbrief gehört. Er gehört zu den seit dem 18 Jh. n. Chr. so genannten 'Pastoralbriefen' (= Hirtenbriefen: 1Tim, 2Tim, Tit; Abk.: Past). Sie sind die jüngsten Briefe der paulinischen (Abk.: pln) Schule und damit zeitlich und auch inhaltlich am weitesten von Christi und Paulus' Wirksamkeit entfernt.
In den Past müssen alle Situationshinweise „als fiktiv gelten. Sie lassen sich in die uns bekannte Biografie des Paulus bis zu seiner zweijährigen Gefangenschaft in Rom, mit der der Bericht der Apostelgeschichte schießt (Apg 28,30f.), nicht einordnen. Auch die unwahrscheinliche Annahme, Paulus sein (nach Ablauf der Apg 28,30 erwähnten 'zwei Jahre') freigekommen und noch einmal in den Osten gereist, und die Pastoralbriefe dokumentieren demzufolge Ereignisse aus dieser Phase bis hin zu einer zweiten, letzten Gefangenschaft in Rom, kann hier nicht weiterhelfen, sondern würde nur zu neuen Ungereimtheiten führen. Hinzu kommen die schon erwähnten sprachlichen und und gedanklichen Differenzen zu den echten Paulusbriefen sowie – vor allem – die dargestellte kirchliche Situation, die nicht in die Zeit des Paulus paßt, sondern eher in die Jahre um die Wende zum 2. Jahrhundert weist.“1
„Im 1Tim wird als Briefsituation fingiert, dass Paulus den Timotheus in Ephesus zurückgelassen hat und nun belehrt, wie er die Gemeinde leiten soll. Vielleicht ist das ein Hinweis, dass tatsächlich Timotheus und Titus (vermeintlichen Empfänger der Past) die in den Past dargestellten Lehren vertreten haben. Wir hätten hier also weniger Paulustraditionen als Timotheus- und Titustraditionen. Inhaltlich handelt es sich um pragmatische Anweisungen zur Gemeindeleitung. Die Vorstellungen von der Gemeinde sind wenig paulinisch. Das Bild vom Lieb Christi, in dem alle Glieder gleichberechtigt sind, fehlt. An seine Stelle tritt das Bild vom Haus, dem ein einziger pater familias vorsteht: der Bischof, der neben sich Diakone hat und gleichzeitig in ein Presbyterkollegium eingebettet ist. Die Past verschmelzen dabei zwei Gemeindeverfassungen: eine aus dem pln Bereich stammende mit 'Bischöfen“ an der Spitze und eine andere aus dem Judenchristentum stammende mit einem Presbyterium als Leitungsorgan. In jedem Fall wird Gemeindeleitung institutionalisiert und eingeschränkt. An der Spitze der Gemeinde dürfen nur Männer stehen. Denn Frauen sollen nicht lehren (1Tim 2,12) und ein Bischof soll 'fähig zu lehren' sein (3,2). Bei Paulus besaß noch jeder Christ ein Charisma, in den Past hat nur der Bischof ein Charisma (2Tim 1,6). Paulus hielt die Ehelosigkeit für eine der Ehe überlegene Lebensform. Die Past wollen Frauen dagegen zur Ehe verpflichten und kämpfen gegen sexuelle Askese – wohl deshalb, weil sie Frauen zu viel Unabhängigkeit gibt. Auffällig ist Folgendes: Gerade dort, wo die Past direkt in Gegensatz zu Aussagen der echten Paulusbriefe treten, lässt der Verfasser seinen Paulus in 'Ich-Form' sprechen. Er weiß, dass er in diesen Punkten nicht durch eine neue Auslegung der pln Texte überzeugen kann, sondern nur durch einen (angeblichen) Widerruf des Paulus selbst. Die beiden wichtigsten dieser 'fiktiven Eigentextreferenzen' (A.Merz) sprechen für sich: 'Dass eine Frau lehre, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten' (1Tim 2,12) 'Deshalb will ich, dass jüngere Witwen heiraten, Kinder zur Welt bringen, den Haushalt versorgen und dem Gegner keinen Anlass zur üblen Nachrede geben' (5,14) Ein wichtiges Anliegen der Past ist es zweifellos, Frauen von der Leitung in der Gemeinde fernzuhalten. Sie sollen nicht lehren, sondern heiraten und Kinder kriegen. Ohne die Pastoralbriefe wäre das NT seht viel frauenfreundlicher. “2
Soweit zu den Pastoralbriefen. Die Aussagen dieser Briefe sind, in besonderer Weise mit Jesu Aussagen und seinem Handeln in den Evangelien und mit Paulus' Aussagen, nicht Interpretationen, über Christus zu vergleichen (auch wenn die Evangelien und echten Paulusbriefe nicht frei von späteren Einfügungen geblieben sind). Erst dann ist zu erkennen, welche Aussagen in den Past dem für uns heutzutage als ursprünglich erkennbaren Evangelium Jesu entsprechen und welche Aussagen der damaligen Kirchen- und Hierarchiebildung und den Ansichten der damaligen Zeit geschuldet sind.
1: aus Jürgen Roloffs 'Einführung in das Neue Testament' (Reclam 2007), S. 207
2: aus Gerd Theißens 'Das neue Testament' (C.H.Beck/Wissen 2004), S.90/91
Presbyter (von griechisch ÀÁµÃ²ÅĵÁ¿Â Ältester) ist die Bezeichnung eines Leitungsamtes der frühen Christengemeinden aus der sich das deutsche Wort Priester und dessen europäische Entsprechungen entwickelt haben. Andere Bezeichnungen sind, je nach Kirche: Kirchengemeinderat, Gemeindekirchenrat oder Priester (kath.).
Presbyterium, griech. 'Rat der Ältesten', auch Presbyterkollegium, Kirchengemeindeleitung, Priesterkollegium (kath.)
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10.07.2010 22:22 |
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