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Zum Ende der Seite springen Die Größe des Opfers Christi
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Udo
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Die Größe des Opfers Christi, Hebräer 9, 26 – 28


… sonst hätte er oft leiden müssen vom Anfang der Welt an. Nun aber, am Ende der Welt, ist er ein für alle Mal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben. Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: so ist auch Christus einmal geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.
(Hebräer 9, 26-28)

… sonst hätte er ja seit Erschaffung der Welt oftmals leiden müssen. So aber ist er nur einmal am Ende der Weltzeiten (1,2) offenbar geworden (oder: erschienen), um die Sünde durch sein Opfer aufzuheben (= zu beseitigen). Und so gewiss es den Menschen bevorsteht (oder: bestimmt ist), einmal zu sterben, danach aber das Gericht, ebenso wird auch Christus, nachdem er ein einziges Mal als Opfer dargebracht worden ist, um die Sünden vieler wegzunehmen, zum zweiten Mal ohne (Beziehung zur) Sünde denen, die auf ihn warten, zum Heil (oder: zur Errettung; vgl. Phil 3,20-21) erscheinen.
(übersetzt nach H.Menge)



NGB #299: Ich hab in Jesu Heil gefunden, ein unaussprechlich großes Glück. Von seiner Liebe Macht gebunden, seh ich in seinen Gnadenblick: …

Christus als Mittler eines neuen Bundes und sein einmaliger Opfertod als ewiggültiges Mittel seines himmlischen Hohepriesterdienstes

Und aus diesem Grunde ist er auch der Mittler eines neuen Bundes, damit aufgrund eines Todes, der zum Erlass (= zur Sühnung) der während der Dauer des ersten Bundes begangenen Übertretungen erfolgt ist, die Berufenen das verheißene Gut des ewigen Erbes empfangen sollten (vgl. Kol 1,5). Denn wo eine letztwillige Stiftung (= ein Testament) vorliegt, da muss unbedingt der Tod dessen, der die Stiftung errichtet hat, (als eingetreten) nachgewiesen werden; eine Stiftung wird ja erst nach Eintritt des Todes rechtskräftig, während sie durchaus keine Kraft (= Geltung) besitzt, solange der Stifter noch lebt. Daher ist ja auch der erste Bund nicht ohne Blut eingeweiht worden. Nachdem nämlich Mose jedes Gebot, wie das Gesetz es vorschrieb, dem ganzen Volke vorgetragen hatte, nahm er das Blut der Kälber und der Böcke nebst Wasser und Scharlachwolle und einem Büschel Ysop und besprengte damit wie das Buch selbst, so auch das gesamte Volk, indem er dabei ausrief: »Dies ist das Blut des Bundes, den Gott für euch angeordnet hat!« (2.Mose 24,6-8) Aber auch das Zelt und sämtliche gottesdienstlichen Geräte besprengte er in gleicher Weise mit dem Blute; überhaupt wird beinahe alles nach dem Gesetz mit Blut gereinigt, und ohne Blutvergießen erfolgt keine Vergebung.
(übersetzt H.Menge, Verse 15-22)

Es fehlt mir ein Wort in der Überschrift der Leigedanken (ohne, dass ich diese kenne): Die Größe des (neuen) Bundes und des Opfers Christi…

Bund und Opfer sind die 2 wesentlichen Worte für mich – aus dem Textzusammenhang -, um die sich das Predigtwort erschließt.

„alter Bund“ = Altes Testament und die darin beschriebenen Bündnisse Gottes mit den Menschen

Gottes Bund mit Noah, Der Bundesschluss wird eingeleitet mit der Zusicherung: So lange die Erde besteht, sollen nicht aufhören Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht (1.Mose 8, 22) Das Zeichen für diesen Bund ist der Regenbogen.

Gott spricht den Menschen, aber auch den Tieren, ein „unbedingtes Ja“ zu. Es geht um eine feierliche Zusage, die einseitig von Gott ausgeht und für alles, was lebt, relevant ist.

Gottes Bund mit Abraham, … erstmals im Zusammenhang mit Verheißung und Erwählung der Stammväter genannt (1.Mose 15, 1ff.)

Gottes Bund am Sinai, Gott schloss mit dem Volk Israel einen Bund. Dies geschah, indem er Moses die 10 Gebote für das Volk Israel gab: „Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern, denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.“ (2.Mose 19, 5)

„Bund“ ist nicht Vertrag oder Bündnis zwischen zwei gleichberechtigten Partnern,

„Bund“ ist aus der Übersetzung heraus als Testament zu verstehen. Wie ein Testament ist auch der Bund (Gottes) die Willenserklärung eines Einzelnen, nämlich Gottes.

Neutestamentlich wird nach christlichem Verständnis der Bund durch Jesus Christus erneuert, den Gott mit den Menschen im Alten Testament geschlossen hatte.

„Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ (Matthäus 26, 26-28)

Dieses neue (erweiterte) Bündnis wird notwendig, da nun nicht mehr Israel allein, sondern alle Menschen darin eingeschlossen sind, auch wenn sich diese Perspektive den Jüngern zu der Zeit noch verschließt.

„… da preist das Herz nur seine Gnade…“ heißt es weiter in dem angeführten Lied. Eine wunderbare Erkenntnis im Erleben der Nähe Jesu und doch ist das nicht so einfach für uns Menschen, denn nicht alles was uns widerfährt, empfinden wir als Gnade Gottes oder gar als Erlösung. Erlöst sein, wovon? Von der Sünde. Sie ist die Kluft zwischen Gott auf der einen Seite und den Menschen auf der anderen Seite. Und hier kommt das zweite Wort zum Tragen: „das Opfer Christi“.

Karfreitag – Ostern – Himmelfahrt

aus diesem harmonischen Dreiklang entspringt die Quelle, von der Lukas sagt:

„… Im Namen Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat; durch ihn steht dieser hier gesund vor euch. Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden. …“

Ich wünsche mir oft auch ein Ostern ohne Karfreitag, oftmals die Worte: Steh auf! Nimm dein Bett und wandle! anstelle von: dir sind deine Sünden vergeben. Lieber das Handfeste und das Greifbare, als das Unsichtbare (unscheinbar Erscheinende).

„… Ja, auf dem Lebenspfad nach Hause, geführt von Jesu treuer Hand …“, nirgends hat Jesus gesagt, dieser Weg wäre ein einfacher Weg, diese Reise ist auch keine Fahrt ins Blaue, dieser Weg hat ein einziges Ziel: in Herrlichkeit und in Ewigkeit bei Jesus sein. Da kann das Gefühl aufkommen, ich gehe eine Rolltreppe verkehrt hinauf. Doch ist dieses Stück Weges geschafft, dann kann ich durchaus einstimmen in die Worte,

„… O das ist doch ein Freudenleben, nun frei von Sünde, ganz des Herrn! Ich durfte Gnad um Gnade nehmen, und Himmelsfrieden gab er gern. …“

In Jesus das Heil………………….
26.07.2010 13:57
Dania
unregistriert
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Lieber Udo,

ganz herzlich danke ich Dir für Deinen wunderbaren Beitrag, Deine Ausführungen, Deine guten Gedanken.
Was das Opfer Christi für jeden einzelnen von uns bedeutet in all seiner Ausprägung, ich glaube, daß können wir gar nicht ermessen, erahnen, wir können, dürfen, nur dankbar sein, daß es dieses Opfer für uns Menschen gegeben hat.
Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, dann kann ich in den Liedervers einstimmen ...ich durfte Gnad, um Gnade nehmen und Himmelfrieden gab er gern. Das ist sehr wahr.
Wenn wir uns der Liebestaten unseres treuen Gottes immer wieder neu bewußt werden, seine Hilfe, seinen Beistand für viele Menschen wahrnehmen, erkennen können, dann erfüllt tiefe Dankbarkeit unsere Herzen, aber auch der Wille, an Gottes Hand zu bleiben, daß Glaubensziel zu erreichen.

Dania
27.07.2010 10:44
fred0
unregistriert
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Das einmalige Opfer Christi (9,16-28)

Das griechische Wort für „Bund“ kann im Deutschen auch „Testament“ bedeuten. Ausgehend von diesem Doppel­sinn versucht der Verfasser des Hebräerbriefes die Einmaligkeit des Opfertodes Christi deutlich zu machen.
Damit will er noch einmal unterstreichen, dass Christus alles vollbracht hat, was zu unserem Heil nötig ist.
(aus: Bibel Lesebuch, mit Auslegungen von Klaus Peter Schmid, S.545, Deutsche Bibelgesellschaft 2001)


meine persönlichen Gedanken zum Bibelwort

Unten (- in den nächsten beiden Antworten -) werden 5 verschiedene Sichtweisen auf Christi Tod am Kreuz dargestellt. Wer mich kennt, wird sicher schon wissen, zu welchen Aussagen ich tendiere. Mir ist es ein Herzensanliegen, die Aussagen dick zu unterstreichen, die Jesus Liebe und unsere liebende Antwort darauf in den Mittelpunkt stellen.

„Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1Joh 4,16) sagt alles! Unterstrichen wird dies in 1Joh 4,7-9.12 „Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.“ Obwohl die Johannesbriefe recht jung sind, stimmen die zitierten Worte mit Jesu Wollen überein, dass Johannes in Kap. 13,34.35 folgendermaßen beschreibt: „spricht Jesus: (V.31) ... Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Ich bin glücklich, dass ich die Liebe Gottes als Kern, Hauptaussage, das Wesentliche und das Wichtigste im Evangelium entdecken und erkennen durfte. Jesus war so von der Liebe Gottes erfüllt, dass er konsequent den Weg der Liebe ging, aneckte und den Herrschenden ein Dorn im Auge war, der beseitigt werden musste. In seinen letzten freien Augenblicken im Garten Gethsemane war auch er dem Verzweifeln nahe. Da half seine Göttlichkeit wenig, wenn der Mensch Jesu zutiefst verängstigt war. Trotz der Stärkung durch einen Engel, war ein blutstropfentreibendes Ringen notwendig, damit die Liebe die Oberhand behielt. Aus der Liebe heraus zu handeln ist alles andere als leicht, kein Schönwettermachen, nicht der Blick durch die rosarote Brille, kein Eiteitei. Wenn es dem Gottessohn – verständlicherweise – schon so schwer fiel, wieso sollte es für uns Menschen einfacher sein, nur weil Liebe und liebevolles Handeln als zu weich abgetan wird.

Liebe kann sehr schnell zu einschneidenden Konsequenzen führen, wenn z.B. Eltern lieber sich selbst vor ein Fahrzeug schmeißen, um ihre Kinder wegstoßend zu retten oder wenn ich aus Liebe zu meinem Partner, ihr/ihm eine Niere spende und dann nach ein paar Jahren selbst an der Dialyse hänge, weil die verbliebene Niere nicht mehr will. So krass kann es auch im Glauben sein. Liebe erfordert anderes Denken und Handeln, wie man es gewohnt ist. Liebe zu Jesus stellt gerne Bekanntes und Vertrautes auf den Kopf. Alte Sichtweisen passen nicht mehr, weil sie in und vor der Liebe Gottes nicht mehr zu rechtfertigen sind. Vertrautes wird fremd, bisher erlernte und reflexhaft verinnerlichte Ansichten und Wertungen werden abstoßend und man schämt sich, dass man so gedacht hat und ist froh, wenn man wenig davon gesprochen hat und wenig danach gehandelt hat.

Leben in Gottes Liebe verlangt manchmal eine Konsequenz, die man nicht für möglich gehalten hat, obwohl Jesus sie vorgemacht hat. Petrus ist daran gescheitert bevor der Hahn krähte. Aber Jesu Liebe macht keine Vorwürfe, droht nicht und straft nicht. Jesu Liebe baut auf, ist verständnisvoll (gegen alle Normen), umarmt einen und lässt einen weitermachen. Leben in Gottes Liebe erfordert nicht gewünschte Entscheidungen und Geradlinigkeit, fordert sie aber nicht. Ich bekomme Gnade und Erbarmen, wenn ich zweifle, wenn ich aufgrund der Umstände zum Täter oder Opfer werde, wenn ich nichts mehr hin bekomme. Auch wenn ich je in die Situation käme, in der ich wegen meines Glaubens gefoltert würde, dann wünsche ich mir im Glauben aushalten zu können, werde es aber nicht schaffen – irgendwann behaupte ich das Gegenteil – das ist normal menschlich. Gott hat mich nicht geschaffen, alle Schmerzen dieser Welt auszuhalten, sondern um liebevolle Gemeinschaft mit ihm und daher mit allen Menschen zu haben. Auch wenn ich gefoltert meinem Glauben abschwöre und Gott verfluche, falle ich nicht aus seiner Hand, denn ich kann nicht tiefer, als in seine Hand fallen. Gott weiß, wie das ist, spätestens seit er als Jesus auf dieser Welt gequält wurde und knapp deshalb durchhalten konnte, weil er nicht nur Mensch war. Daher wird er mich nie abweisen, wenn ich mich ihm (wieder) zuwende – einerlei, was ich zuvor gesagt und getan habe.

Bei Gott ist nicht Sühne wichtig, die er sich selbst gebracht haben soll, auch nicht Schuld und Sünde, sondern nur Liebe zählt. Im Machtbereich der Liebe Gottes werden diese Dinge unwichtig, da Liebe so viel größer ist, wie alles andere, was in Bibel, Lehre und Theologie als notwendig dargestellt wird. Eine andere Wirkung der Liebe ist auch, dass man weniger Schuld auf sich lädt und weniger sündigt. Wenn ich Gott liebe, dann entferne ich mich nicht von ihm, sündige also nicht.

Die Liebe Gottes macht mich frei von Meinungen und Beeinflussungen meiner Umwelt, wenn ich davon frei sein will. Gottes Liebe ist ein Maßstab, den ich immer bei mir trage und immer und überall anwenden kann. Gottes Liebe ist ein „mobiles Gerät“, dass mich in Christus frei und unabhängig macht. Ich wünsche uns allen einen auf Jesu konsequentes Leben in Liebe hinweisenden Gottesdienst.

Liebe Grüße
Fred


Biblischer Zusammenhang: Christus das einmalige und endgültige Opfer*
23 Mit solchen Mitteln müssen also die Einrichtungen des alten Bundes gereinigt werden. Aber diese sind ja nur ein Abbild der himmlischen Wirklichkeit. Wo es um die himmlische Wirklichkeit selbst geht, sind bessere Opfer er­forderlich. 24 Christus ist schließlich nicht in eine von Menschenhand gemachte Nachbildung des wahren Heilig­tums hineingegangen, sondern in den Himmel selbst, wo er sich nun unmittelbar bei Gott für uns einsetzt. 25 Der ´levitische` Hohepriester betritt das Heiligtum viele Male ´im Lauf seines Lebens` – Jahr für Jahr von neuem –, und immer mit dem Blut eines Tieres, nicht mit seinem eigenen Blut. Christus hingegen brachte sich selbst als Opfer dar, und er brauchte das nur ein einziges Mal zu tun. 26 Andernfalls hätte er ja seit der Erschaffung der Welt schon viele Male leiden ´und sterben` müssen. Tatsache jedoch ist, dass er nur einmal in die Welt kam – jetzt, am Ende der Zeiten –, um uns durch das Opfer seines eigenen Leibes von der Sünde zu befreien. 27 Sterben müssen alle Menschen; aber sie sterben nur einmal, und darauf folgt das Gericht. 28 Genauso wurde auch Christus nur einmal als Opfer dargebracht – als Opfer, das die Sünden der ganzen Mensch­heit auf sich nahm. Wenn er wiederkommt, kommt er nicht mehr wegen der Sünde, sondern um denen Rettung zu bringen, die auf ihn warten. (NGÜ – Neue Genfer Übersetzung / *: Überschrift aus GNB – Gute Nachricht Bibel)

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von fred0: 31.07.2010 21:04.

31.07.2010 20:59
fred0
unregistriert
1. - 4.: Das Opfer Christi und unsere Opfer (Unterscheidungen und Zusammenhänge) Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Inhalt
Die Krise des traditionellen Opferverständnisses
Das heutige profane Opferverständnis
Modernes Opferverständnis und Christentum
Ein allgemeiner religiöser Opferbegriff
Jesus und die Opfer
Vier christliche Opferbedeutungen
1. Jesus wurde von den ihn zurückweisenden Menschen "geopfert"
2. Jesus opferte sich selbst.
3. Das Opfer Jesu ist unser Opfer
4. Das Kreuzesopfer ist Tat des Vaters

Die Krise des traditionellen Opferverständnisses
Früher haben Christen den Gottesdienst ohne Probleme als Opfer verstanden. Heute ist man skeptisch, wenn Menschen Opfer bringen wollen. Jesus wurde ausgeliefert und umgebracht, weil er den Interessen von einflußreichen Leuten im Wege stand. Daß er in diesem Sinn ein Opfer war, das können wir verstehen. Wir können auch damit etwas anfangen, daß sie Jesus ih­ren Interessen opferten, und daß er das Opfer ihres Machtstrebens wurde. Aber das ist nicht die Bedeutung, die die kirchliche Theologie im Sinne hat. Schon im Hebräerbrief heißt es, daß Jesus sich selbst als Opfergabe an den Vater dargebracht hat, zur Sühne für unsere Sünden. Auch wir bringen Opfer, um ein uns wichtiges Ziel zu errei­chen. Aber, so fragen wir, welchen Zweck hatte denn dieses Opfer Christi? Die Beschwichtigung eines zornigen Gottvater? Damit können wir uns nicht zu­friedengeben. Einerseits empfinden wir dies als untragbaren Widerspruch zur Vorstellung eines liebenden Gottes, wie ihn uns Jesus nahegebracht hat. Anderseits genügt uns der Hinweis auf einen Willensentscheid Gottes, der auch ganz anders hätte sein können, nicht. Wir wollen - in unserer Erfah­rung aufweisbar - den Sinn dieses Opfers Jesu begreifen. Was veränderte es an unserer Heillosigkeit? - Die tradi­tionelle Theologie antwortet auf diese Fragen, indem es auf die Sakramente hinweist. In ihnen können wir uns die "objektive" Erlösung, die Jesus bereits für uns gewirkt hat, aneignen. Damit sind aber unsere Fragen nicht zufriedengestellt. Zwar ist die Fährte gewiesen, wo wir einen Zusammenhang zwischen Jesu Heilstat und unserem Heil auffinden könnten; aber der Zu­sammenhang selbst und mithin der Sinn des ganzen Opfergeschehens bleiben für uns im Dun­keln.

Das heutige profane Opferverständnis
Der Begriff Opfer hat seine Bedeutung nicht verloren, er ist eines der großen Worte unserer Zeit, - auch wenn sein Gebrauch oft als banal erscheint. "Die deutsche Einigung verlangt den Steuerzahlern große Opfer ab." - Hierbei ist mit Opfer eine Verzicht gemeint, den Menschen leisten (sollen), damit ein höheres Ziel er­reicht werden kann. Wenn wir den Wert eines solchen Opfers einschätzen, sind für uns folgende Fragen be­deutsam:
a. Besteht ein ein­sichtiger Zusammenhang zwischen der Opferleistung und dem Zweck, der damit verfolgt wird?
b. Hat derjenige, der das Opfer bringen soll, sich frei dazu entschieden, oder wurde er von an­deren dazu genötigt?
c. Identifiziert sich der Opfernde überhaupt mit dem vorgeblichen Zweck des Opfers, oder wird dieses ihm aufgenötigt von ande­ren, die ihn zur Durchsetzung ihrer Interessen mißbrauchen?
- Je nachdem, wie diese Fragen zu beantworten sind, haben wir es mit verschiedenen "Qualitäten" von Opfer zu tun. Im besten Fall ist das Opfer der freie, selbstlo­se und reife Verzicht zugunsten eines Zieles, das für den einzelnen, für andere oder für uns alle wertvoll ist. Im un­günstigsten Fall ist es ein Akt der Herrschaftsaus­übung, in dem ich andere zu einem Verzicht ("Opfer") überrede oder nötige, um meine eigenen Interessen durchzusetzen: Ich mache andere zu Opfern. Zwischen dem men­schenfreundlichen "Opfer bringen" und dem menschenfeindlichen "Opfer machen" fließen die Grenzen, und oft wird eine in Wahrheit egoistische Handlung als selbstlose Tat bemäntelt. Die wahren Verursacher und Interessen­träger für eine Verzichtleis­tung werden dann verheimlicht. Geläufige Formulierungen verraten diese Tendenz zum Verschweigen: "Der EU-Beitritt verlangt Opfer von...", oder: "Er wurde das Opfer eines Verkehrsunfalles".
Wir sind heute durchschnittlich sensibler gegenüber der Verschleierung menschenfeindlicher Opferpraktiken ge­worden als frühere Generationen. Dafür gibt es wohl mehrere Gründe: der Prozeß der Säkularisierung, in dem das Annehmen von Leid und Verzicht ("Opfer") als von Gott gesandt ersetzt wird durch die kritische Frage nach den Schuldigen; die Opferkritik von Psychologen und Philosophen der letzten hundert Jahre; un­sere Erinnerung an die unausdenklichen Massenmorde, verübt und toleriert von sogenannten "zivilisierten Menschen" unserer Kultur, die sich durch eine Ideologie verführen ließen, die diese Opfer forderte. All das hat uns heute kritischer gemacht ge­genüber Ideologien und Sachzwängen, die uns Opfer als unvermeidlich erscheinen lassen. Das Mitfühlen mit Op­fern, der Einsatz für sie und das Aufdecken subtiler opfererzeugen­der Praktiken sind bedeutende Kennzeichen un­serer Zeit.

Modernes Opferverständnis und Christentum
Auch für eine Reihe neu entstandener Theologien ist dieses neue, kritische Opferbewußtsein charakteris­tisch. Von der Theologie der Befreiung bis zur feministischen Theologie können wir in diesem Sinn von Op­fertheologien spre­chen. Sie zeigen uns Christus als Aufdecker und Überwinder der negativen Opferfor­men. Dazu muß aber noch eine weitere Einsicht kommen: Christus ist auch der Vollender des positiven Op­fervollzuges. Für eine umfassende christliche Sicht des Opfers, welche sowohl das positive als auch das ne­gative Vorverständnis berücksichtigt, möchte ich im folgenden einige Anregungen geben. Ich werde dafür zuerst einen religiösen Opferbegriff vorschla­gen, der das aufgewiesene profane Opferverständnis weiter­führt. Dann untersuche ich das Schicksal Jesu Christi als Opfergeschehen. Abschließend werde ich vier eng miteinander zusammenhängende Opferbegriffe darstellen, welche sowohl das traditionell-christliche als auch das heutige profane Opferverständnis berücksichtigen.

Ein allgemeiner religiöser Opferbegriff
Es gibt menschenfreundliche und menschenfeindliche Opfervollzüge. Für ein profanes Verständnis beider Formen ist es selbstverständlich, das Opfer als (geleistete oder geforderte) Verzichtleistung zugunsten eines einzelnen Zie­les zu verstehen. Wenn dieses Ziel für den Opfernden eine absolute Bedeutung gewinnt, wird aus dem profanen Opfer ein religiöses. Das möchte ich nun für das menschenfeindliche und dann für das menschenfreundliche Opfer genauer ausführen.
Eugen Drewermann hat gezeigt, wie die Angst Menschen neurotisch macht und dazu treibt, unsinnige Opfer zu bringen, nur um ihre Angst einzudämmen. René Girard legte dar, wie Menschen in einem kollektiven Pro­zeß, den sie selber nicht durchschauen, lernen, daß die Ausgrenzung von Opfern den gefährdeten Frieden wiederherstellt. Trotz großer Unterschiede ist beiden Erklärungsmodellen gemeinsam, daß Menschen ange­sichts einer als irratio­nal und bedrohlich empfundenen Macht ihr Gleichgewicht zu wahren suchen, indem sie andere zu Opfern machen; weiters, daß sie ihr Verhalten dabei nicht durchschauen und nur sehr einge­schränkt frei bestimmen können. Man kann sie als Gefangene einer dämonischen Religiosität bezeichnen, die ihren Götzen immer mehr Opfer bringen, um überleben zu können. Diese Form des Opferns ist men­schenfeindlich oder antipersonal.
Im schärfsten Gegensatz dazu steht der personale Opfervollzug: Ich verstehe darunter einen freien und zeichenh­aften Ausdruck des Dankes, der Würdigung und der (Neu-)Zuwendung gegenüber einer als lebens­freundlich erfah­renen, absoluten Macht. Die Bibel spricht in diesem Sinn von Lob- und Dankopfern. Dieses positive religiöse Opfer ist zugleich ein positives im profanen Sinn. Denn die Zuwendung zu einem lebens­freundlichen Gott muß selbst menschenfreundlich sein. Zwischen dem positiven Opfer im profanen und im religiösen Sinn gibt es eine bedeuten­den Übergangsbereich: Wenn eine Mutter Opfer bringt, nicht um sich die Wertschätzung der Familie zu verdienen, sondern als selbstverständlicher und fragloser Ausdruck ihrer Liebe, dann ist das ein gutes Opfer im religiösen Sinn, auch wenn kein ausdrücklicher Gedanke an Gott da­bei ist.
Ob personal oder antipersonal, in jedem Fall ist das Opfern der kraftvolle Ausdruck einer Hinbeziehung auf eine Macht, die als absolut erfahren oder gesetzt wurde. Und als solcher übt es einen faszinierenden Sog auf andere aus. Sowohl eine positive als auch eine destruktive Religiosität wirken ansteckend. Dramatisch ist das Aufeinan­dertreffen beider Formen: Wer ein freies und glückliches Gottesverhältnis lebt (= personales Opfer), beeinflußt auf eine widersprüchliche Weise die "antipersonalen Opferer": Einerseits weckt er in ihnen die Hoffnung auf eine neue Freiheit; er befähigt und verlockt sie zu einer Abkehr von ihrer antipersonalen Opferpraxis. Die so Angesprochenen erfahren dieses Angebot aber nicht nur als einladend, sondern zugleich als bedrohlich. Denn ihre antipersonale Opferpraxis, zu deren Aufgabe sie sich herausgefordert fühlen, hatte ja bisher eine angstreduzierende, den Frie­den sichernde Funktion. So sind sie in eine Entscheidung zwi­schen beiden Opferformen gezwungen. Entweder sie nehmen das Angebot zu einer menschenfreundlichen Religiosität und Lebensweise an oder sie müssen ihren alten Götzen ein weiteres Opfer bringen, nämlich ih­ren Befreier. Dies war das Schicksal vieler Propheten des Alten Tes­taments und in besonderer Weise das Schicksal Jesu.

Jesus und die Opfer
Jesus faszinierte in unvergleichlicher Weise dank seines reinen Gottesverhältnisses, das ihn zugleich vor dem Ein­fluß antipersonaler Opfervollzüge vollkommen bewahrte. So konnte er wie kein anderer die Opfer seiner Zeit an­sprechen, verdeckte antipersonale Opfermechanismen aufdecken und die darin Gefangenen zur Umkehr heraus­fordern. Er strahlte die Verheißung einer großen Freiheit und Liebe aus, der sich niemand entziehen konnte. Men­schen ließen alles liegen, um ihm zu folgen. Kranke wurden durch sein Wort geheilt. Benachteiligte und Verachtete erfuhren seine Zuwendung. Jesus heilte auch Besessene. Die Evangelien be­richten, wie diese Menschen durch Jesu Zuspruch in eine außerordentliche Unruhe gerieten, wie sie hin und hergerissen wurden zwischen der Macht Jesu und der Gewalt ihrer Dämonen, bis diese sie verlassen muß­ten. Dasselbe dramatische Geschehen ereignete sich auf eine weniger auffällige aber gefährlichere Weise zwischen Jesus und jenen "Besessenen", die als gesell­schaftlich anerkannte Vertreter des wahren Glaubens zu antipersonalen Opfervollzügen neigten. Jesus deckte in ihnen eine unheilvolle Tendenz auf, ihre Religiosi­tät auf Kosten anderer zu verwirklichen, auf diese Weise andere Menschen zu Opfern zu machen und den wahren Gott zu verfehlen (vgl. Mt 23). Jesus befreite und zwang sie zu einer fundamentalen Entscheidung: für den wahren Gott oder gegen ihn. Das heißt, sie standen vor der Wahl, ent­weder ihre Götzen aufzuge­ben, oder ihnen mit Jesus ein weiteres Opfer zu bringen (vgl. Joh 11,50). Dieses "Op­fern" kann im einzelnen sehr unterschiedlich ausgesehen haben: offen betriebene Feindschaft; Unterstützung von Intrigen gegen Jesus; Schwächung der Bereitschaft, ihn gegen ungerechte Anklagen zu verteidigen; Angst, sich öf­fentlich zu ihm zu bekennen. Die Evangelien berichten, wie sich mit der Zeit immer mehr Menschen gegen Jesus entschieden. Das kollektive Zusammenwirken dieser Entscheidungen ermöglichte seinen Kreuzestod.
Von daher ergeben sich verschiedene Bedeutungen des Todes Jesu. Er war die Konsequenz seines riskan­ten Be­freiungsangebotes für die antipersonal Opfernden. Er war die Folge seines Einsatzes für die Opfer seiner Zeit, aber auch für die Opfer der ganzen Weltgeschichte. Jesus hat sich mit ihnen identifiziert bis zum Tod. Was solche Identifizierung bedeutet, hören wir eindrucksvoll in seiner Weltgerichtsrede (Mt 25,31-46). Der Tod Jesu birgt über­dies den Keim zur vollendeten Aufdeckung jeder antipersonalen Opfertendenz: Für die nachchristliche Welt bleibt er eines der großen Mahnmale für das Verhängnis kollektiver destruktiver Ten­denzen. Dem Christen aber ist die Begegnung mit dem Auferstandenen zugleich die Begegnung mit dem Gekreuzigten, der sich mit allen Opfern identifiziert hat. Deshalb ist der Christ dabei zugleich mit jenen Men­schen konfrontiert, die er selbst zu Opfern ge­macht hat. So ist die Begegnung mit Christus für ihn untrenn­bar beides: Ermutigung und Beschämung, Trost und Herausforderung, Heil und Gericht. Damit geht es dem Christen, der heute die Gegenwart des lebendigen Christus erfährt, gar nicht so anders wie jenen Men­schen, die vor 2000 Jahren dem irdischen Jesus begegneten.

Vier christliche Opferbedeutungen
Bis jetzt war von den Grundformen des personalen und antipersonalen Opferns die Rede. Ich habe das Schicksal Jesu als Konfrontation zwischen diesen beiden Opferformen gedeutet. Es zeigte sich uns so als ein dramatisches Geschehen, das sich zwischen Jesus und den von ihm aufgerufenen Menschen abspielte. In diesem Konflikt ging es um die Beziehung zum wahren Gott. Die zur Umkehr aufgerufenen Menschen, Jesus und der Vater, - das sind die drei "Akteure", zwischen denen sich das Drama des Opfertodes Christi ereignete und noch ereignet. Das eine Opfergeschehen erscheint in einem unterschiedlichen Licht, je nach­dem, welche Akteure ich dabei besonders be­achte.
1. Ich kann das Opfer verstehen als Tat der Sünder an Je­sus (unser antipersonales Opfer); oder
2. als Hinga­beakt von Jesus selbst gegenüber dem Vater für das Heil der Menschen (Jesu personales Opfer); oder
3. als unsere Tat in Anerkennung der Selbsthingabe Jesu und in Annahme seines Versöhnungsangebotes
(unser personales Op­fer); oder
4. als Willen des Vaters gegenüber dem Sohn zur Versöhnung der Welt:
(das im Vater gründende heilschaf­fende Opfer).
Dies ergibt vier Opfer­begriffe, zu verstehen als vier unterschiedliche Sichtweisen des einen erlösen­den Opfergeschehens. Diese Vierfalt erhellt den Zusammenhang zwischen biblischen, kirchlichen und modernen Opferverständnissen. Sie läßt sich ansatzweise im Neuen Testament finden, und zwar am eindrucksvollsten mit dem Begriff "para­didonai" (d.h. überliefern, übergeben, ausliefern), der in den vier genannten Bedeutungen vor­kommt. Ab­schließend möchte ich diese vier Opferbegriffe in ihrem Zusammenhang erläutern.

1. Jesus wurde von den ihn zurückweisenden Menschen "geopfert"
In diesem Sinn ist Opfern die Tat der Sünder an Jesus, und das heißt auch: unsere Tat. Denn auch wir ma­chen an­dere zu Opfern, mit denen sich Jesus identifiziert. Das ist die antipersonale Opferbedeutung, welche dem heutigen Verständnis am meisten entgegenkommt. Der Evangelist Markus spricht in diesem Sinn von Judas, der Jesus ver­raten hat (paradidonai; z.B. Mk 3,19).

2. Jesus opferte sich selbst.
Sein Tod war ja nicht bloß ein Schicksal, das ihm von außen aufgezwungen wurde. Indem er seinen Feinden bis zuletzt die Möglichkeit der befreienden Bekehrung offenhielt, wandelte er das ihm zugedachte Schicksal in einen Akt der Verherrlichung Gottes. Das ist ein "personales Opfer" in unüberbietbarer Weise. Deshalb kann man sagen, er hat sich selbst zum Opfer gebracht, womit dann auch das angesprochen ist, was tradi­tionell als "stellvertreten­des Sühnopfer Christi" bezeichnet wird. Der Epheserbrief stellt uns den sich opfern­den Christus als Vorbild hin: "Liebt einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben (pa­radidonai) hat als Gabe und als Op­fer, das Gott gefällt"(Eph 5,2).

3. Das Opfer Jesu ist unser Opfer
Bei dieser Bedeutung geht es wie bei der ersten um unser Opfer, diesmal aber nicht im antipersonalen, son­dern im personalen Sinn. Zwischen beiden so gegensätzlichen Opferweisen besteht ein tiefer Zusammen­hang, nämlich die Verwandlung unserer antipersonalen Opferpraxis in eine personale. Sie geschieht dank der opfernden Selbsthinga­be Jesu (siehe 2.), wenn wir sie annehmen und so in eine enge Bezie­hung zu Christus treten. Die Ver­wandlung unserer antipersonalen Opfertendenzen ist ein wichtiger Sinnge­halt nicht nur der Buße sondern auch der Abendmahlsfeier.
Bibel und Kirche schreiben dem stellvertretenden Sühneopfer Christi eine erlösende Kraft zu. Die bisherigen Überle­gungen vermitteln eine Ahnung davon, wie das geschieht: Jesu Selbstopfer betrifft jeden Menschen, sofern er Op­fer und sofern er Täter ist. Mit den Opfern hat sich Jesus durch die Annahme seines Kreuzesto­des bis ins Letzte identifiziert; und den Tätern hat er damit bis zuletzt die Möglichkeit zur Umkehr offengehal­ten. Vor dem auferstan­denen Gekreuzigten sind so Opfer und Täter zusammengeführt und zur Versöhnung herausgefordert: Durch Kreuz und Auferstehung hat Jesus seine Liebe zum Vater und zu den Nächsten, ob Täter oder Opfer, vollendet; solche Liebe verlockt zur Nachahmung. Wer sich in Betrachtung, Gebet und Tat darauf einläßt, erhält auch die Kraft zur Umkehr und Nachfolge. Für die Menschen als Opfer heißt das: Ein­stimmen in die Vergebung, die Jesus stellvertre­tend ihren Tätern angeboten hat. Dadurch werden sie hinein­genommen in das erlösende Opfer Jesu; es ist nun auch ihr Opfer. - Für die Menschen als Täter bedeutet die Annahme von Christi Erlösungsangebot: bekennen, daß sie andere zu Opfern gemacht haben; einsehen, daß sie damit auch ihn trafen; anerkennen, daß er sich von ihnen zum Opfer machen ließ und dies in eine Tat der Verherrlichung Gottes umwandelte; die Vergebung annehmen, die Jesus ihnen im Namen ihrer Opfer zusagt; bereit sein, diese Versöhnung im Alltag zu realisieren, sogar dann, wenn sie dadurch selbst zu Op­fern gemacht würden. So ist auch die Annahme des erlösenden Opfers Christi ein Opfer, und zwar für jeden Menschen, der sich darauf einläßt, ob er nun Opfer ist oder Täter. Indem wir Christi Opfer an­nehmen, wird es unser Opfer, - Opfer für uns und Opfer von uns. Dem entspricht die dritte biblische Bedeutung von "para­didonai": Überlieferung, Weitergabe. Paulus leitet sein Zeugnis von der Auferstehung mit den Worten ein: "Denn vor allem habe ich euch überliefert (paradidonai), was auch ich empfangen habe..."(1 Kor 15,3). Sol­che Überlieferung oder Tradition ist nie unbeteiligt. Das Heilsgeschehen Christi kann nur überliefern, wer sich selbst da­von ergreifen und verwandeln läßt, wie Paulus. Das wichtigste Ereignis unserer Christusüber­lieferung ist die Abendmahlsfeier: Überlieferung als erinnernde Vergegenwärtigung und befreiendes Sichein­lassen auf den auferstan­denen Gekreuzigten, die Feier der Verwandlung unserer antipersonalen in persona­le Opfervollzüge.

4. Das Kreuzesopfer ist Tat des Vaters
Jesus hat sich nicht selbstherrlich für seinen Tod entschieden. Im steten Ringen um den Willen des Vaters erfuhr er sich auf diesen Weg gewiesen, - als einzigen verbleibenden Weg, um das Heil auch für die Men­schen offenzuhal­ten, die nicht die Kraft oder den Willen zur Umkehr gefunden hatten. Leben, Tod und Aufer­stehung hat sich Jesus vom Vater zuschicken lassen. Das ganze erlösende Opfergeschehen, wie wir es in den ersten drei Bedeutungen umschrieben haben, wurzelt im Willen des liebenden Vaters. Wenn wir es so verstehen, können wir dankbar mit Paulus ausrufen: "Gott hat seinen Sohn für uns alle hingegeben (paradi­donai) - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?"(Röm 8,32).
(nach: http://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/texte/48.html#ch3)
31.07.2010 21:02
fred0
unregistriert
5.: Abschied vom Sühneopfer? - Höchste Zeit für ein fünftes Evangelium? Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Jesus Christus starb stellvertretend für uns am Kreuz, damit wir mit Gott versöhnt sein können. Dieses zentrale Stück christlicher Lehre wird besonders in der Passionszeit von allen Kanzeln verkündet. Aber passt die sogenann­te Sühneopfertheorie überhaupt noch in die Vorstellungswelt moderner Christen? Um dieser Frage nachzugehen, wurde der Theologe Klaus-Peter Jörns in Duisburg am 16. März dieses Jahres zum Stadtgespräch eingeladen. Klaus-Peter Jörns' Buch „Notwendige Abschiede“ hat viel dazu beigetragen, die Diskussion um Opfervorstellung und Stellvertretertod in den Gemeinden populär zu machen.

„Ich glaube das nicht mehr, dass ein blutiges Opfer nötig ist, um uns mit Gott zu versöhnen“, bringt Jörns seine Überlieferungskritik auf den Punkt. Jesus sei nicht für uns gestorben, er habe für uns gelebt. Der Apostel Paulus habe Jesu Hinrichtung in ein Heilsgeschehen umgemünzt. Nur durch diesen cleveren Reklametrick sei es ihm im römischen Rechtsstaat möglich gewesen, seinen in Schande gestorbenen Herrn als siegreichen Christus zu ver­kündigen.

Die zentrale Bedeutung nimmt in Jörns Entwurf die Verkündigung von Gottes unbedingter Liebe zu seinen Ge­schöpfen ein. Diese Liebe werde den Menschen ohne Vor-und Folgeleistungen gewährt. „Jesus hat das im Leben praktiziert, Sünden vergeben und die Möglichkeit zur Vergebung an uns weitergereicht, wozu ist sein Tod noch nö­tig?“

Der streitbare Professor widmet sich der Modernisierung der christlichen Glaubenslehre erst seit seiner Pensionie­rung. Heute empfindet er die Pfarrer in ihrer Mehrzahl als obrigkeitshörig und ängstlich an alte Glaubenszöpfe ge­klammert. Jörns erntet Applaus, wenn er wirksam fragt, ob denn immer Blut fließen müsse, damit sich etwas än­dert. Aber er wird auch von vielen auf die Konsequenzen seiner „Elektrifizierung des Alten Testamentes“ hingewie­sen:
- „Was wird aus der Auferstehung?“ „Geschieht schon im Leben, durch Vergebung.“
- „Das Kreuz?“ „Bleibt als Sinnbild für das Leid in der Welt.“
- „Das Abendmahl?“ „Zwingen sie ihren Gemeindepfarrer doch mal zu einer Versöhnungsfeier, in der jedes Ge­meindeglied einem anderen die Sünden vergibt; sie werden sehen, wie gut ihnen das tut!“

Zum Ende wird gefragt, wo das Kriterium sei, dass man sich weiter im Christentum befinde. „Ihr historischer Jesus erweist sich vielleicht doch nur als Hans-Peter Jörns“. Der Professor ist gar nicht in Verlegenheit: „Natürlich sind meine Glaubenserfahrungen subjektiv“, bekennt er strahlend. „Ich finde ein fünftes Evangelium legitim in dem wir alle festhalten, was uns Jesus persönlich bedeutet.“[1]

„Wer die Hinrichtung Jesu am Kreuz deuten will, muss sagen, von welchem Gottes- und Menschenbild er ausgeht. Ich setze bei dem an, was ich aus Verkündigung und Leben Jesu wahrgenommen habe. Da steht die wirklich be­dingungslose Liebe Gottes im Zentrum. Diese Liebe kommt ganz aus sich selbst, braucht also keinerlei Vorleistun­gen, auf die sie (nur) Antwort wäre. Sie gilt den Menschen, die Jesus als »mühselig und beladen« erlebt hat, und will sie »erquicken« (Matthäus 11,28). Denn Jesus geht davon aus, dass das Leben – gerade der Menschen, die gut sein wollen – unendlich schwer ist. Weil jeder mit Schmerzen lernt, Gut und Böse zu unterscheiden und darin Gottes Arbeit zu tun (1. Mose 3,22!!), muss er es auch ein Leben lang. Gottes Gebote wollen deshalb nicht eine abstrakte Gerechtigkeit durchsetzen, sondern haben eine helfende Funktion: Sie sind für uns Menschen als Segen und Wegweisung da (Markus 2,27) und nicht, um unseren Gehorsam zu erproben. Sie werden pervertiert, wenn sie gegen uns verwendet werden. So markiert Jesus eine Äonenwende.

Der Mensch ist bei Jesus nicht »böse von Jugend auf«, nicht gottfeindlicher Sünder: Jesus spricht den Kindern das Himmelreich zu! Unsere Sterblichkeit ist keine Strafe, sondern geschöpflich, wegen der Gottesbeziehung ist der Tod ein Tor zu anderem Leben. Gott erweist seine Gerechtigkeit nicht, indem er jedem gibt, »was er verdient hat«. Jeder soll bekommen, was er zum Leben braucht – auch wenn seine Defizite selbst verschuldet sind (Lukas 15,11-32). Die unbedingte Liebe Gottes will für seine Geschöpfe Leben und Würde. Also gibt es für den irdischen Jesus nichts Wichtigeres als die Vergebung – als Bitte um und Bereitschaft zur Vergebung. Vergebung ist Geschenk der Verletzten. Deshalb steht in der Mitte des Vaterunser eine doppelte Vergebungsbitte. Längst vor seinem Tod hat Jesus diejenigen, die durch Vergebung Frieden stiften, als Söhne und Töchter Gottes gepriesen (Matthäus 5,9). Seine Verkündigung ist der leidenschaftliche Protest gegen die alte Idee, die Paulus und andere wieder auf Jesu Tod angewendet haben, um aus der Schande seiner Hinrichtung eine Heilstat zu machen: »Vergebung ohne Blut­vergießen ist nicht möglich« (Hebräer 9,22). Doch, sagt Jesu Evangelium: als Antwort auf Gottes Liebe! Wegen dieser inneren Kontroverse kommt Jesu Leben weder bei Paulus noch im Apostolischen Glaubensbekenntnis vor.

Wir sind Gott nicht dadurch wichtig, dass jemand für unsere Sünden blutige Sühne geleistet hätte. Wer Gott um Vergebung bittet, wird sie bekommen und kann sie weitergeben an andere. Für diese Botschaft hat Jesus gelebt und sich umbringen lassen. Er hat den zornigen Gott überwunden und Vergebung von Kult und Priesteramt gelöst. Sie ist Ausdruck der Menschenwürde geworden. Auch damit hat Jesus eine Äonenwende eingeleitet – deren gan­zer Segen allerdings noch auf uns wartet. Denn die Kirchen haben Jesus bis heute nur selten geglaubt, dass aus tödlicher Gewalt kein Heil kommen kann – auch dann nicht, wenn man sie »heilige Gewalt« nennt. Mit Gewalt kann man Angst einjagen und Gehorsam erzwingen, aber weder Vertrauen und Glauben wecken oder die Welt verän­dern. Es ist Zeit, dass wir den Jesusweg wieder ernst nehmen.“[2]
(Quellen: [1] nach http://www.kirche-duisburg.de/content/e3.../index_ger.html,
[2] aus http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitung...-vom-suhneopfer)
31.07.2010 21:03
fantasie
unregistriert
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danke fred, dass du auch noch die Gedanken von Jörns angefügt hast! Auch wenn viele Menschen sie für ketzerisch halten mögen, ich kann dem sehr viel abgewinnen, da ich auch Mühe habe, diese antike Opferdeutung zu glauben.
31.07.2010 21:47
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