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Zum Ende der Seite springen Psalm 63, 6.7 / Sich zurückziehen - sich besinnen
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fred
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Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Gott (Psalm 63)
1 Ein Psalm Davids, als er in der Wüste Juda war. 2 Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist. 3 So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit. 4 Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich. 5 So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben. 6 Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann; 7 wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach. 8 Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich. 9 Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.10 Sie aber trachten mir nach dem Leben, mich zu verderben; sie werden in die Tiefen der Erde hinunterfahren. 11 Sie werden dem Schwert dahingegeben und den Schakalen zur Beute werden. 12 Aber der König freut sich in Gott. / Wer bei ihm schwört, der darf sich rühmen; denn die Lügenmäuler sollen verstopft werden. (Lutherbibel)

meine persönlichen Gedanken zum Bibelwort

Die Verse 10 – 12 und der Halbsatz „wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit“ sind dem Denken des Alten Bundes geschuldet. V.10–12 haben einen eindeutigen Bezug zu Davids Situation und der Halbsatz spiegelt das Gottesbild des Alten Testaments und beinhaltet in meinen Augen nichts, dass einem heutzutage unmittelbar bzw. im christlichen Sinn weiterhilft.

Bezüglich des Halbsatzes wäre denkbar: die Macht einer wohlwollenden Umarmung und die Herrlichkeit des dadurch ausgelösten Wohlgefühls, des Angekommen-Seins und des Angenommen-Seins im Herzen des Umarmten. Dies ist schon unter Menschen wunderschön und kann unermesslich gut tun, umso mehr kann es eine Umarmung Gottes.

Die Verse 10 – 12 möchte ich nur als allgemeine Trostworte verstehen, die jemanden, der sich in einer ähnlichen Situation befindet oder sich so fühlt, tröstlich sein können – tröstlich von Christus her aber nur dann, wenn die Vergeltung Gottes nicht gewünscht wird, sondern Vergebung vom Betroffenen angestrebt und und von Gott erbeten wird.

Beim Lesen des Psalms sind ist mir besonders der Satz „mein ganzer Mensch verlangt nach dir“ im zweiten Vers aufgefallen. Es ist einfach nachvollziehbar, dies von einem Menschen in der Wüste zu hören. Was heißt das für mich – in einer, im Vergleich zur Wüste, üppigen Versorgung? David hatte auch alles. Nur in der Wüste war er davon abgeschnitten. Was half es ihm dann noch? In der Wüste kann ich lange nach einen geweihten Ort (Heiligtum/V.3) Ausschau halten, von dem ich meine, dass Gott darin zu finden ist. Ich muss Gott so nehmen, wie er in der Wüste zu finden ist, zu erahnen ist: in der für mich tödlichen Umwelt, im grandiosen Nichts aus Sand und Geröll, Windstille, Sturm, Himmel, Hitze am Tag, Frost in der Nacht. So kann ich versuchen, Gott zu erkennen, in allem Schlechten und in Todesnähe bringenden, das mir geschieht. Für mich schwer vorstellbar, aber hunderte Millionen Christen erkennen Gott in genau so einem Leben mit Aids und Seuchen, in Bergbau- und Chemieabfällen wohnend, mit verseuchtem Wasser, halb verhungert.

Christus wird laut Matthäus-Evangelium einmal sagen: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40). Auf deutsch: Was ich meinem Nächsten antue, im Guten und im Schlechten, dass tue ich damit automatisch Christus, also Gott, an. Wenn ich nun nach Gott, nach Christus verlange, dann denke ich an Gutes, nach dem ich verlange. Führen mich diese Gedankengänge jetzt automatisch dahin, zu sagen: „Mich verlangt als ganzer Mensch danach, meinem Nächsten gutes zu tun.“? Theoretisch meistens Ja, praktisch oft im letzten Augenblick Nein. Und nun? Hoffe ich (nur) beharrlich auf Gottes Gnade, d.h. warte ich untätig ab?

Jetzt kommt der ganze Mensch ins Spiel: Verlangen nach Gott und seinen guten Dingen heißt nicht nur Glauben mit der Seele, sondern auch handeln mit dem Körper und denken/nachsinnen mit dem Verstand. Ziel des ganzen Menschen kann nicht nur eine ferne Herrlichkeit sein – Ziel des ganzen Menschen ist immer vorrangig sein personales Leben mit Gott im Alltag und die Herrlichkeit bei Gott ist das I-Tüpfelchen darauf.

Ziel des ganzen Menschen sind nicht nur (richtiger ?) Glaube und Nächstenliebe in der Gemeinde,
- sondern vom Verstand gewollte Änderungen der eigenen, erlernten und religiös anerzogenen Haltungen zu einer gewollten liebenden Menschlichkeit nach Jesu Vorbild in der Zuwendung zu den Menschen: wer liebt, kennt Gott,
- sondern körperliche Taten der Nächstenliebe im persönlichen Umfeld, einzeln oder in sozialen Netzwerken und Einrichtungen – in jedem kleinen Dank oder in leuchtenden Augen sehe ich nicht nur die Freude meines Nächsten, sondern auch die Freude Christi über eine gute Tat und das ferne Leuchten des Lichtes Gottes – und wenn vom Nächsten nichts kommt, dann muss das auch reichen, denn mein Nächster ist keine Dank-Maschine, in die ich eine gute Tat hinein tue und einen Dank erhalte,
- sondern das emotionale und seelische Erkennen Gottes im Alltag und in vermeintlichen Nichtigkeiten – dazu gehört auch das eigene Heilwerden, das ganz bei sich an kommen (ohne gewohnte bzw. bedrängenden äußere Einflüsse) – einfach Mensch werden, wie Gott – das werden, was ich eigentlich bin, wie Jesus.
Wenn dieser Tag kommt, dann werden wir erkennen, dass wir in Christus leben und Christus in uns und der Vater in uns, weil Christus in ihm lebt (frei nach Joh 14,20).

Mir ist jetzt klar geworden, dass die Wüste
- nicht die zunehmende Unchristlichkeit im deutschsprachigen Raum,
- nicht die „böse Welt“,
- nicht andere Konfessionen, Religionen, Esoterik,
- nicht der Teufel,
- nicht das kommende und schon beginnende Unheil,
- nicht Kritik an Aposteln, an ihrer Lehre, an der NAK,
- nicht die Lieblosigkeit und Rücksichtslosigkeit aller Anderen gegen mich,
- nicht andere Glaubensauffassungen,
- nicht Zweifel
sind, sondern dass ich die Wüste bin. Ich bin so wüst und so leer und so schwach, obwohl ich mich eigentlich ganz gut fühle und mit mir zufrieden bin. Gott sieht es wohl (eher) anders. Er sieht meine Wüste, mein Unvermögen, liebend zu handeln und liebend zu denken, mein Zögern und Zaudern, meinen Stolz auf die vielen erreichten Dinge (Positionen, Statussymbole, Abgesichert-Sein, Gesund-Sein durch eigene Leistung) – er sieht, wie das Haben und menschliche Sicherheit dem Mensch-Sein-wie-Christus und dem liebenden Vertrauen im Wege steht.

Aber ich schreibe doch so oft von Gottes unendlicher Liebe, Gnade, Erbarmen, Barmherzigkeit. Ja, so ist Gott – das heißt doch nicht, dass damit bei mir „alles in Butter ist“. Meine Sehnsucht nach Gottes Gemeinschaft in meinem Leben ist groß und ich nehme die Gemeinschaft mit ihm im Alltag auch wahr – ab und zu. Trotzdem reicht diese Sehnsucht nicht aus, mich überwiegend zu Gott zu halten. Es ist nicht meine Hand, die mich in der Nähe Gottes bleiben lasst, sondern seine Hand (vgl. V.9). Ich weiß fast alles, was ich als Christ wissen muss oder kann es in den Evangelien nachlesen. Ich fühle die Sehnsucht nach Gott und seine Gegenwart in meinem Leben. Ich tue einiges, manchmal vieles, oft nur dies und das, was meinem Nächsten gut tut, was mich Gott näher bringt. Ich kann strampeln, wie ich will – Gott lässt mich nicht los, aber ich schaffe es alleine nicht, zu ihn zu kommen.

Jetzt habe ich viel, vielleicht zu viel gedacht und nachgesonnen. Wenn ich vom Nachsinnen zur Ruhe komme und es stille wird, dann kann ich auf einmal Gottes Liebe wahrnehmen – ein zartes Säuseln – und es zieht Frieden und Vertrauen in mein Herz. Ich genieße die Geborgenheit in Gott und tanke fast unmerklich auf, für neues Denken und Handeln als ganzer Mensch.

Stille und Ruhe einerseits, Loben und Preisen andererseits sind Geschwister. Beide können, in ihrer Art, von meinen alltäglichen Bedürfnissen und meiner Selbstdarstellung weg führen, hin zu mir, wie mich Gott gedacht hat und hin zu Gott. Ich komme mir näher und damit auch näher zu Gott. Durch das Mir-Näher-Kommen, nehme ich mich weniger wichtig, weil ich immer ein wenig mehr merke, wer ich bin. Es ist nicht nur still um mich herum. Ruhe zieht in mir ein. Im Loben und Preisen kann ich mich ganz hingeben, mein Herz singt und springt. Ich merke, dass es genau darauf ankommt. Körper, Seele und Verstand werden durch Loben und Preisen – vor allem beim Gesang – ganz gefordert, der ganze Menschen wird erfüllt vom Loben und Preisen, ja wird selbst fröhlich und leicht. Der Körper entspannt, die Seele baumelt, der Verstand bearbeitet keine Probleme mehr. Diese Entspannung in und bei Gott kann durch immer wieder neues Einüben von Stille, Ruhe, Loben und Preisen erlebt werden.

Liebe Grüße
Fred

Dieser Beitrag wurde 6 mal editiert, zum letzten Mal von fred: 28.06.2010 23:22.

28.06.2010 21:51
joas
hat hier alles im Griff ...




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RE: Bibelwort für 30.6./1.7.10: Psalm 63, 6.7; Thema: Sich zurückziehen - sich besinnen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Hallo fred

Zitat:
Original von fred
Mir ist jetzt klar geworden, dass die Wüste
- nicht die zunehmende Unchristlichkeit im deutschsprachigen Raum,
- nicht die „böse Welt“,
- nicht andere Konfessionen, Religionen, Esoterik,
- nicht der Teufel,
- nicht das kommende und schon beginnende Unheil,
- nicht Kritik an Aposteln, an ihrer Lehre, an der NAK,
- nicht die Lieblosigkeit und Rücksichtslosigkeit aller Anderen gegen mich,
- nicht andere Glaubensauffassungen,
- nicht Zweifel
sind, sondern dass ich die Wüste bin.


würdest du das so predigen? Ich kann dem voll zustimmen. Aber würde das eine durchschnittliche NAK-Gemeinde verkraften?

Gruß joas
28.06.2010 22:18 joas ist offline E-Mail an joas senden Beiträge von joas suchen Nehmen Sie joas in Ihre Freundesliste auf
fred
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RE: Bibelwort für 30.6./1.7.10: Psalm 63, 6.7; Thema: Sich zurückziehen - sich besinnen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Hallo joas,

ich würde es schon so predigen wollen, aber am Altar ist alles etwas anders, wie beim Schreiben. Ich denke, wenn einige Worte der Aufzählung der Gemeinde nicht gepredigt werden sollten, dann würden sie mir nicht einfallen. Meine größte Sorge am Altar ist die, dass ich nicht etwas sage, was mich gerade beschäftigt, sondern ich das sagen kann, was Gott der Gemeinde sagen will.

Wenn ich außer ein paar einleitenden Worten am Altar nur diese Aufzählung im Kopf habe, dann gehe ich davon aus, dass ich das sagen soll. Meine Formulierung würde aber wohl sehr vorsichtig ausfallen. Einige Punkte würde ich ausführlich erklären.

Nicht alles tritt gleich in Konkurrenz zum christlichen Glauben oder kommt einer Verunglimpfung der NAK gleich, nur weil es unter einer bestimmten Überschrift steht. "Prüft alles und das Gute behaltet" aus der Richtung von Jesu Aussagen und Wesen her, ist hierbei für mich der Leitfaden. Es gibt zig-mal mehr persönliche Zugänge zu Gott, wie es Wege nach Rom gibt.

Liebe Grüße
Fred

Dieser Beitrag wurde 4 mal editiert, zum letzten Mal von fred: 28.06.2010 23:18.

28.06.2010 22:47
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RE: Bibelwort für 30.6./1.7.10: Psalm 63, 6.7; Thema: Sich zurückziehen - sich besinnen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von joas
Hallo fred

Zitat:
Original von fred
Mir ist jetzt klar geworden, dass die Wüste
- nicht die zunehmende Unchristlichkeit im deutschsprachigen Raum,
- nicht die „böse Welt“,
- nicht andere Konfessionen, Religionen, Esoterik,
- nicht der Teufel,
- nicht das kommende und schon beginnende Unheil,
- nicht Kritik an Aposteln, an ihrer Lehre, an der NAK,
- nicht die Lieblosigkeit und Rücksichtslosigkeit aller Anderen gegen mich,
- nicht andere Glaubensauffassungen,
- nicht Zweifel
sind, sondern dass ich die Wüste bin.


würdest du das so predigen? Ich kann dem voll zustimmen. Aber würde das eine durchschnittliche NAK-Gemeinde verkraften?

Gruß joas


Bei Freds Aufzählung geht es doch letztendlich um Selbstbesinnung, Selbsterkenntnis. Warum sollte das eine "durchschnittliiche NAK-Gemeinde" (wie auch immer die aussehen mag Augenzwinkern ) nicht verkraften? Und - "die" Gemeinde muss es ja nicht verkraften sondern jeder einzelne Gläubige für sich.

Eigenverantwortung bedingt auch Selbstreflektion.

__________________
Liebe Grüße
Waage


Liebe besteht nicht darin, dass man einander anschaut, sondern dass man gemeinsam in dieselbe Richtung blickt (A. de Saint-Exupery).
29.06.2010 07:46 Waage ist offline E-Mail an Waage senden Beiträge von Waage suchen Nehmen Sie Waage in Ihre Freundesliste auf
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