Römer 12, 10.11 |
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10 Lasst im Umgang miteinander Herzlichkeit und geschwisterliche Liebe zum Ausdruck kommen. Übertrefft euch gegenseitig darin, einander Achtung zu erweisen. 11 Lasst in eurem Eifer nicht nach, sondern lasst das Feuer des Heiligen Geistes in euch immer stärker werden. Dient dem Herrn. (NGÜ – Neue Genfer Übersetzung)
meine persönlichen Gedanken zum Bibelwort
Einen Satz aus den Leitgedanken möchte ich besonders hervorheben:
Das ganze Evangelium ist auf der Liebe Gottes gegründet.
Mein Glaube auch? Meine Gemeinde auch? Meine Kirche auch? Meine Familie auch? Mein Leben auch? Meine Denkmuster auch? Meine Ziele auch?
Ich gehe noch einen Schritt weiter: Das ganze Evangelium ist Gottes Liebe!
Mehr ist da nicht – alles geht in Liebe auf! Alles, was als Evangelium beschrieben ist und verkündet wird und sich nicht mit Gottes Liebe vereinbaren lässt, ist nicht das Evangelium, das Jesus verkündet und gelebt hat. Solche Dinge sind der menschlichen Begrenztheit geschuldet, die sich schon in den Evangelien zeigt, sich besonders oft in den Spätschriften des Neuen Testaments verfestigt und sich heutzutage in den Versuchen zeigt, das Böse militärisch zu vernichten – mit der Rechtfertigung im Hinterkopf, Gottes Gericht schon vorweg nehmen zu wollen.
Gibt es Sicht der Liebe, also Gottes, überhaupt Gut und Böse, Richtig und Falsch, Schwarz und Weiß, Ab- und Eingrenzungen jeder Art, so wie Menschen diese Dinge moralisch, ethisch, religiös verklärt oder überhöht verstehen? Gott steht über diesen Dingen, die im menschlichen Miteinander notwendig sind oder vielleicht doch nur so erscheinen. Liebe und liebendes Handeln schieben alles beiseite, wenn es nötig ist. Da, wo Liebe ist, ist Gott – ich brauche dann nicht darüber nachdenken, ob das Gott wohlgefällig ist oder mich würdig macht. Liebe ist Gott und Gott ist Liebe. „Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.“ (1Joh 4,7.8)
Im Alten Testament hat die Gesetzlichkeit Vorrang vor der Liebe. Das von Jesus in Mt 22 formulierte Höchste Gebot ist eine Zusammenfassung aus 5. Mose 6, 5 und 3. Mose 19, 18. Schon damals haben die Menschen Gottes Liebe nicht verstanden. Deshalb begnügte sich Gott mit der Gabe der Gesetze.
Mit Jesus hat Gott uns eine neue Chance zum Verstehen seiner Liebe, zu einem Leben danach und zu einem Glauben darin gegeben. Ich hoffe, wir vermasseln diese Chance nicht noch einmal!? Gottes Liebe und unsere Antwort darauf „Gott und alle Menschen lieben“ stehen über allen Bekenntnissen, Lehren, Konfessionen und Religionen. Einerseits ist lieben ganz einfach, weil es dafür keines Studiums und keiner Investitionen bedarf und unabhängig von der sozialen Stellung ist, sogar unabhängig von geistigen Behinderungen oder Demenzerkrankungen ist. Lieben geht immer. Andererseits ist lieben sehr schwierig, weil es mich als Ganzes fordert, fern von allen Alltags- und Gesellschaftsnormen und -formen, entgegen vieler Ergebnisse meiner Erziehung und Erfahrungen in allen Lebens- und Glaubensbereichen. Lieben ist so schwierig, weil man oft meint, erst dann lieben zu können, wenn dies und das noch erledigt ist, wenn ein bisschen mehr Zeit und Ruhe da ist, wenn man sich seiner Selbst ein wenig sicherer geworden ist. Wer liebt ist leicht verletzbar und angreifbar – auf allen Ebenen. Das ist so. Das macht es schwierig. Das ist richtig so. Wenn ich liebe, dann bin ich offen, wie ein Scheunentor – offen für Alle und Alles. Lieben erzeugt Unsicherheit, wenn ich es nicht gewöhnt bin, denn alle Normen und Denkmuster werden durch die Liebe Gottes in Frage gestellt. Liebe ist unberechenbar und unbändig. Liebe sprengt und hinterfragt alles, wenn es notwendig ist.
Wenn „die Chemie“ zwischen Geschwistern/zwischen Menschen nicht stimmt, dann äußert sich die Nächstenliebe zumindest in der Achtung bzw. der Ehrerbietung des Nächsten. Möglich ist/wird dies nur, wenn ich als ganzer Mensch (Körper/Seele/Verstand) überall in meinem Leben und Glauben eine aus Gottes Liebe gespeiste liebende Grundhaltung entwickelt habe/entwickle und mich als Voraussetzung dazu erst einmal selbst liebe(n lerne), mit all meinen Macken, Makeln, seelischen Unsicherheiten und Verletzungen, Schwachheiten, Rauheiten, Diskrepanzen zwischen Wollen und Tun, Zweifeln, Gewinner- oder Verlierergefühlen, Handikaps, Besorgtheitsbergen oder Sorglosigkeiten, …
Man kann sich nicht nur an der Liebe orientieren. Das führt nur zu Frust und mündet bestenfalls in gewollte Pflichterfüllung. Liebe erfüllt mich ganz, wird aber oft durch meine Schwachheit und Begrenztheit eingeengt und verhindert so bewusstes liebendes Handeln. Zuerst „muss“ ich meine Haltung, meine Überzeugungen durch mit Liebe durchdringen und verändern, zu einer liebenden Grundhaltung hin. Dann „muss“ ich mich selbst lieben (lernen). Dann kann ich liebendes leben und glauben üben, dort wo ich mich wohl fühle, in vertrauten Kreisen. Danach kann ich versuchen, in Liebe mit allen Menschen umzugehen. Dies beinhaltet dann auch die Feindesliebe. In allen Versuchen und in allem Gelungenem liebe ich Gott, denn ist Gott ist in Jedem gegenwärtig, den ich liebe.
Liebe Grüße
Fred
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06.07.2010 12:38 |
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