Matthäus 10, 38 |
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Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein. (NGÜ – Neue Genfer Übersetzung)
Christus als Gast (zu Mt 10,37-42)
In einer süddeutschen Buchmalerei aus dem 14. Jahrhundert wird Christus als armer, barfüßiger Wanderer dargestellt, der von einer vornehmen Dame gefüttert wird. Was damit gemeint ist, ist klar genug: wer einen armen Menschen von der Straße aufnimmt, der versorgt in Wirklichkeit den Gottessohn, ein Thema, das auch im heutigen Evangelium anklingt.
Als dieser Text geschrieben wurde, so um das Jahr 80 nach Christus herum, gab es zwei Gruppen von Christen: Wandermissionare, die radikal in die Fußstapfen ihres Meisters traten, und seßhafte Gemeindemitglieder, die das Wirken der Wandermissionare materiell und ideell unterstützten.
Im ersten Teil des Evangeliums wird ein Christsein beschrieben, das im Gegensatz zur herrschenden Gesellschaft stand: Wer Christ wurde, mußte damit rechnen, daß er aus seiner Familie herausfiel, daß er von seinen nächsten Verwandten verstoßen würde. Einem Christen konnte es blühen, daß er seinem Meister buchstäblich das Kreuz nachtragen mußte, hin zum gewaltsamen Tod. In den 2000 Jahren unserer Kirchengeschichte haben nicht wenige Christen für ihre Überzeugung das Leben hingegeben. Sie haben es - sagt Jesus heute im Evangelium - "um meinetwillen verloren", aber sie haben es gerade dadurch in einer neuen Form gewonnen; sie sind in die Lebensgemeinschaft des Auferstandenen eingetreten, der den "Tod überwunden und das Leben neu geschaffen hat" ...
Im zweiten Teil des Evangeliums geht es um positive Erfahrungen der frühchristlichen Wandermissionare. Wer in ihre Reihen trat, verlor nicht nur etwas, nämlich Heimat, Familie und Beruf, er gewann auch vieles. "Wer euch aufnimmt", sagt Jesus, "der nimmt mich auf ... und den, der mich gesandt hat". Mit anderen Worten: Wer um Jesu willen heimatlos und arm geworden war, gewann dafür bei seinen Glaubensgenossen hohe Autorität. Er galt als Stellvertreter Christi, er durfte mit dem selben Anspruch auftreten wie sein Meister.
Die seßhaften Christen, die Häuser und Grundbesitz hatten, fühlten sich geehrt, wenn ein Wandermissionar bei ihnen einkehrte. Wer so einem "Gerechten", also einem wandernden Asketen wirtschaftlich beistand, der durfte ... auf einen Lohn hoffen, wie er dem heiligen Mann selber bestimmt war - das bedeutet der Ausdruck: "Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird wie ein Gerechter belohnt werden."
Wer aber auch nur einem "Kleinen", also einem Christen von der Straße, der die Frohbotschaft verkündete, einen Dienst erwies, durfte ebenfalls gewiß sein, daß Gott seine Tat nicht vergessen würde und sie mit reichem Lohn vergelten wird. Daß das alles auch heute noch - wenngleich in abgewandelter Form - seine Geltung hat, ist klar; daß auch heutzutage noch ein Christ durch seine religiöse Berufung in Konflikt mit seiner Familie geraten kann oder im Extremfall sogar sein Leben für Christus hingeben muß, wissen wir.
Aber noch ein weiterer Aspekt wird durch das Evangelium deutlich: Der Christ und seine Kirche müßten eigentlich immer "auf dem Weg sein". Ein Christentum, das sich festsetzt, das Paläste und unwandelbare dogmatische Systeme errichtet, entfernt sich von seinem Gründer, der keinen Ort hatte, wohin er sein Haupt legen konnte, und der den Willen Gottes in jeder Situation neu erfuhr und schöpferisch verwirklichte.
Was bedeutet das für uns? Jesus lädt uns ein, unnötigen Ballast abzuwerfen, arm zu werden - also zu lernen, loszulassen und mit ihm in eine unbekannte und ungesicherte Zukunft aufzubrechen. Wenn wir auch nicht wissen, was sie uns bringt - er verspricht uns, daß er mit uns wandern wird, und daß er uns am Ende des Weges eine Freiheit und eine Freude finden lassen wird, die alles aufwiegt, was wir um seinetwillen aufgegeben haben. (nach: Eberhard Gottsmann am 27.06.99 - http://www.eberhard-gottsmann.de)
meine persönlichen Gedanken zum Bibelwort
Das Bibelwort „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein.“ hat keine Bedeutung für die Sicht auf den Anderen, auf den Nächsten, auch nicht für die Sicht des Seelsorgers auf die zu betreuenden Gläubigen!!! Es ist allein Jesu Sicht auf jeden Einzelnen bzw. die Sicht des Einzelnen auf sich selbst, also meine Sicht auf mich. Da es uns Menschen immer leichter fällt, Mengenlehre zu betreiben und danach gruppenbezogen – oft ausgrenzend – zu handeln, anstatt Jeden einzeln zu sehen und personenbezogen positiv, besser noch liebevoll, zu behandeln, ist das Bibelwort sehr gefährlich, wenn man es verallgemeinert.
Das Bibelwort ist kein Gebot oder Glaubensgesetz. Es ist nicht das in Vers 34 genannte Schwert im Sinn von Dazwischen-Hauen und Scheiden von Gut und Böse. Das Bibelwort ist schlich und einfach eine FESTSTELLUNG JESU, in der deutlich wird, das Entscheidungen von mir und dir sich auswirken, so oder so, Jesu nachfolgen oder nicht, Jesu Jünger sein oder nicht. Diese Feststellung Jesu geschieht ohne richtende, urteilende, wertende Hintergedanken – obwohl sich Jesus das Richten ja für sich selbst vorbehalten hat. Deshalb ist das Bibelwort so gefährlich für uns Menschen, besonders für Seelsorger und Prediger. Man verfällt zu leicht in ein Richten und Urteilen, dass von Jesus ja scheinbar von uns erwartet – Pustekuchen – NEEEIIIIIIIN.
Deshalb NEIN, weil jemand, der nicht allein Christus nachfolgt, den Wert, der in der Nachfolge Christi liegt nicht erkennt. Jesus ist ihm nicht viel wert, da ihm andere Dinge, u.a. auch Hierarchien und Lehren, wichtiger sind. Da dieser Jemand Jesus nicht wert schätzt, ist es ihm auch nichts wert, sein Jünger zu sein – das sagt die Formulierung „der ist meiner nicht wert“ (Lutherbibel) aus. Das ist eine harte Aussage, aber hierin lässt sich das Schwert in Vers 34 erkennen. Jesus ist das Schwert, an dem sich alles scheiden wird, auf dem Weg zu Gott: ENTWEDER GANZ FÜR CHRISTUS oder nicht. Das lässt sich an Taten oft nicht festmachen. Diejenigen, die sich ganz für Christus entscheiden haben, scheitern oft in der Umsetzung. Diejenigen, die sich nicht ganz für oder auch gegen Christus entscheiden haben, tun die Dinge, die eigentlich aus einer Entscheidung für Christus entspringen sollten. Aber Gott sieht in die Seele, sieht die Entscheidung „JA für Christus“. So verstehe ich die Aussagen in Mt 10,34-39.
Jesus erwartet von uns in Mt 10,34-39 keine Vorverurteilung, nicht die vorauseilende Umsetzung von Dingen, die sich sowie automatisch, durch die Entscheidungen jedes Einzelnen ergeben. Er wartet unendlich geduldig und liebevoll darauf, dass wir uns endlich allein für ihn entscheiden, ohne dabei zu verhärten, sondern mit liebevollem Blick auf alle, die sich in der „Sache Jesu“ von geschieden haben. Mit Gottes Liebe, die durch den Heiligen Geist in uns ausgegossen ist, wird dies möglich. Ich kann mich lieben, in meinem Unvermögen, indem ich mich augenblicklich mal für und mal gegen Jesus entscheide, obwohl ich mich nur für ihn entscheiden möchte. Ich kann meinen Nächsten, ja alle Menschen lieben und Gottes Gnade für alle Menschen erflehen/einfordern, auf welchen Wegen er sie auch immer wirksam macht, für wen auch immer, Christ, Atheist, Jude, Muslim, Hindu, Buddhist, usw. Weil Gottes Liebe zu mir so grenzenlos ist, kann und darf ich niemand von Gottes Liebe, Gnade und seinem Heil ausschließen. Diese Liebe verpflichtet mich, diese Liebe und Gnade – ohne Vorgabe eines Weges oder einer Art und Weise – von Gott einzufordern, da er ja allen Menschen helfen will. Und wenn Gott Liebe ist, dann renne ich damit offenen Türen bei ihm ein. Gott will nur, dass ich das endlich tue!
Das Kreuz Christi erlaubt mir, in und für Gott frei zu sein. Das Kreuz Christi erlaubt mir, ALLEIN Jesus Christus nachzufolgen, in einer direkten Beziehung, ohne weitere Heilsnotwendigkeiten als Jesus Christus allein! Das Kreuz Christi gibt mir alle Möglichkeiten, zu Gott zu kommen. Mein Kreuz gibt mir auch alle Möglichkeiten, zu Gott zu kommen. Es soll keine Last sein, sondern das Überlebenspaket für meinen Glauben, wenn es mir schlecht geht und das Powerpack (Kraftpaket), wenn alles läuft. Wenn mir das Kreuz zu einer Last wird, dann meine ich, es mit meiner eigenen kleinen Kraft tragen zu müssen und habe den Heiligen Geist vergessen. Der Heilige Geist will mein Helfer sein (- nicht nur ein immerwährender Tröster -), er will mein Kreuz gemeinsam mit mir tragen. Und dann wird es (feder-)leicht, das Kreuz Christi, das Joch Christi: „denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“.
Das Kreuz Christi macht es möglich, dass mein Kreuz mich so beflügeln kann, dass ich das Leid in meinem Leben mit anderen Augen sehe und durchlebe. Ohne Kreuz gibt es kein neues Leben aus Christus, kein Reich Gottes in dieser Welt, in mir. In meinem Kreuz habe ich ein göttliches Überlebenspaket und Powerpack für mich in meinen Glaubensweg zu Gott: „Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen“ (Mk 8,34; Lk 9,23; Mt 16,24).
Liebe Grüße
Fred
Biblischer Zusammenhang in Mt 10
34 »Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. 35 Ich bin gekommen, um ›den Sohn mit seinem Vater zu entzweien, die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; 36 die eigenen Angehörigen werden zu Feinden‹. 37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein. 38 Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein. 39 Wer sein Leben erhalten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.« (NGÜ)
Querverweis zu Vers 38 in Mt 16: Mt 16,24
22 Da nahm ihn Petrus beiseite und versuchte mit aller Macht, ihn davon abzubringen. »Niemals, Herr!«, sagte er. »Auf keinen Fall darf so etwas mit dir geschehen!« 23 Aber Jesus wandte sich um und sagte zu Petrus: »Geh weg von mir, Satan! Du willst mich zu Fall bringen. Was du denkst, kommt nicht von Gott, sondern ist menschlich!« 24 Dann sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen. 25 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. 26 Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er selbst dabei unheilbar Schaden nimmt? Oder was kann ein Mensch als Gegenwert für sein Leben geben? 27 Denn der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und wird jedem nach seinem Tun vergelten. 28 Ich sage euch: Einige von denen, die hier stehen, werden nicht sterben, bis sie den Menschensohn in seiner Königsherrschaft kommen sehen.« (NGÜ)
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12.07.2010 12:52 |
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