|

|
|
|
 |
Markus 8, 34.35 (Analog 14.7.10: Mt. 10,38) |
fred unregistriert
 |
|
| Markus 8, 34.35 (Analog 14.7.10: Mt. 10,38) |
 |
Anforderungen der Nachfolge
34 Dann rief Jesus die Volksmenge samt seinen Jüngern zu sich und sagte: »Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen. 35 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten. 36 Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er selbst dabei unheilbar Schaden nimmt? 37 Denn was könnte ein Mensch als Gegenwert für sein Leben geben? 38 Wer in dieser von Gott abgefallenen und sündigen Zeit nicht zu mir und meinen Worten steht, zu dem wird auch der Menschensohn nicht stehen, wenn er mit den heiligen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommt.« (NGÜ – Neue Genfer Übersetzung)
meine persönlichen Gedanken zum Bibelwort
Folgende Gedanken, die ich mit der Überschrift „Nachfolge ist Handeln in der Liebe Gottes“ überschreiben möchte, sagen alles aus, was es zur Nachfolge zu sagen gibt:
„Liebe zu Gott heißt Absage an Heuchelei und Mammon-Dienst (Mt 6) und konkretisiert sich in Umkehr (Bekehrung) und Nachfolge.
Liebe zum Nächsten schließt unbedingte Bereitschaft zum Geben und Vergeben und williges Erleiden von Unrecht in sich (Mt 5,21ff. 38ff. u.ö.). Der Begriff des Nächsten wird nicht theoretisch erörtert; Jesus weist auf den konkreten in Not befindlichen Menschen hin, als dessen Nächster (= Bruder) wir uns zu zeigen haben (Lk 10,29ff.). Bei aller Intensität der Forderung fehlt in den Worten Jesu, wie in seinem eigenen Verhalten, jede sektenhafte Enge. In (vielleicht bewußtem) Gegensatz zu der Regel von Qumran, alle Kinder des Lichtes zu lieben, die Kinder der Finsternis aber zu hassen, wird auch Liebe zum Feinde geboten. Nur die selbstlose Liebe, die keine Gegen-Liebe verlangt, entspricht der Vollkommenheit der Liebe Gottes (Mt 5,43ff.; Lk 6,27ff.). –
Das Liebesgebot behält im ganzen Neuen Testament seine zentrale Stellung als Zusammenfassung des Willens Gottes (z.B. 1Tim 1,5; Jak 2,8f.). Die Forderung der Feindes-Liebe wirkt nach in Mahnungen, nicht Böses mit Bösem zu vergelten, sondern immer Gutes zu tun und Haß und Verfolgung gelassen hinzunehmen (z.B. Röm 12,17ff.; 1Petr 3,9).
Die Nächsten-Liebe wird aber vor allem auf das »einander lieben« bezogen (Joh 13,34; Röm 13,8f.; 1Petr 4,8; 1Joh 3,11).
Paulus sieht die Erfüllung des Gesetzes in der Liebe durch die Freiheit vom Gesetz ermöglicht (Gal 5,13f.); der Glaubende soll dem anderen in Liebe dienen, ihn höher als sich selbst schätzen und seine Freiheit respektieren (Röm 12-14; 1Kor 8-10 usw.). Was das heißt, wird in mannigfach variierten Weisungen entfaltet.
Bei Johannes treten dagegen alle Einzelmahnungen hinter die alles zusammenfassende Liebe zurück (1Joh 2-4). Die Liebe zum Bruder ist die konkrete Betätigung der Liebe zu Gott im Gehorsam gegen das Gebot Jesu. Die Bruder-Liebe ist aber ihrerseits keine allgemeine Freundlichkeit, sondern das durch die Liebe zu Gott bestimmte Verhalten, das nur im Glauben an die Liebe Gottes möglich ist (1Joh 4,20ff.).“*
Jeder exklusive Gedanke über den eigenen Glauben und über die eigene Konfession wird durch Gottes Liebe für ungültig erklärt. (<-- Achtung – meine persönliche Glaubensüberzeugung!)
Das Bibelwort „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten.“ hat keine Bedeutung für die Sicht auf den Anderen, auf den Nächsten, auch nicht für die Sicht des Seelsorgers auf die zu betreuenden Gläubigen!!! Es ist allein Jesu Sicht auf jeden Einzelnen bzw. die Sicht des Einzelnen auf sich selbst, also meine Sicht auf mich. Da es uns Menschen immer leichter fällt, Mengenlehre zu betreiben und danach gruppenbezogen – oft ausgrenzend – zu handeln, anstatt Jeden einzeln zu sehen und personenbezogen positiv, besser noch liebevoll, zu behandeln, ist das Bibelwort sehr gefährlich, wenn man es verallgemeinert.
Das Bibelwort, besonders Vers 35 ist kein Gebot oder Glaubensgesetz. Vers 34 ist ein Aufruf, eine Motivation an/für alle Menschen, an Jesus zu glauben und mit ihm und in seinem Wesen zu leben. Vers 35 ist einfach eine Feststellung Jesu, in der deutlich wird, das Entscheidungen von mir und dir sich auswirken. - So oder so: Jesus nachfolgen oder nicht, Jesu Jünger sein oder nicht, sein Leben um des Evangeliums willen verlieren oder retten. Diese Feststellung Jesu geschieht ohne richtende, urteilende, wertende Hintergedanken – obwohl sich Jesus das Richten ja für sich selbst vorbehalten hat. Deshalb ist Vers 35 gefährlich für uns Menschen, besonders für Seelsorger und Prediger. Man verfällt zu leicht in ein Richten, Urteilen und Moralisieren, dass von Jesus ja scheinbar von uns erwartet, weil man meint erkennen bzw. entscheiden zu können, wer sich lieber um sein Leben kümmert, anstatt um das Evangelium – Pustekuchen – NEEEIIIIIIIN.
Deshalb NEIN, weil jemand, der nicht allein Christus nachfolgt, den Wert, der in der Nachfolge Christi liegt nicht erkennt. Jesus ist ihm nicht viel wert, da ihm andere Dinge, u.a. auch Kirchenhierarchien und -lehren, wichtiger sind. An Jesu Evangelium scheidet sich alles: ENTWEDER GANZ FÜR CHRISTUS oder nicht. Das lässt sich an Taten oft nicht festmachen. Diejenigen, die sich ganz für Christus entscheiden haben, scheitern oft in der Umsetzung. Diejenigen, die sich nicht ganz für oder auch gegen Christus entscheiden haben, tun die Dinge, die eigentlich aus einer Entscheidung für Christus entspringen sollten. Aber Gott sieht in die Seele, sieht die Entscheidung „JA für Christus“.
Jesus wartet unendlich geduldig und liebevoll darauf, dass wir uns endlich allein für ihn entscheiden, ohne dabei zu verhärten, sondern mit liebevollem Blick auf alle, die sich in der „Sache Jesu“ von ihm geschieden haben. Mit Gottes Liebe, die durch den Heiligen Geist in uns ausgegossen ist, wird dies möglich. Ich kann mich lieben, in meinem Unvermögen, indem ich mich augenblicklich mal für und mal gegen Jesus entscheide, obwohl ich mich nur für ihn entscheiden möchte. Ich kann meinen Nächsten, ja alle Menschen lieben und Gottes Gnade für alle Menschen erflehen/einfordern, auf welchen Wegen er sie auch immer wirksam macht, für wen auch immer, Christ, Atheist, Jude, Muslim, Hindu, Buddhist, usw. Weil Gottes Liebe zu mir so grenzenlos ist, kann und darf ich niemand von Gottes Liebe, Gnade und seinem Heil ausschließen. Diese Liebe verpflichtet mich, diese Liebe und Gnade – ohne Vorgabe eines Weges oder einer Art und Weise – von Gott einzufordern, da er ja allen Menschen helfen will. Und wenn Gott Liebe ist, dann renne ich damit offenen Türen bei ihm ein. Gott will nur, dass ich das endlich tue!
~~~ ~~~ ~~~
Wiederholung vom 14.07.2010: Das Kreuz Christi erlaubt mir, in und für Gott frei zu sein. Das Kreuz Christi erlaubt mir, ALLEIN Jesus Christus nachzufolgen, in einer direkten Beziehung, ohne weitere Heilsnotwendigkeiten als Jesus Christus allein! Das Kreuz Christi gibt mir alle Möglichkeiten, zu Gott zu kommen. Mein Kreuz gibt mir auch alle Möglichkeiten, zu Gott zu kommen. Es soll keine Last sein, sondern das Überlebenspaket für meinen Glauben, wenn es mir schlecht geht und das Powerpack (Kraftpaket), wenn alles läuft. Wenn mir das Kreuz zu einer Last wird, dann meine ich, es mit meiner eigenen kleinen Kraft tragen zu müssen und habe den Heiligen Geist vergessen. Der Heilige Geist will mein Helfer sein (- nicht nur ein immerwährender Tröster -), er will mein Kreuz gemeinsam mit mir tragen. Und dann wird es (feder-)leicht, das Kreuz Christi, das Joch Christi: „denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“.
Das Kreuz Christi macht es möglich, dass mein Kreuz mich so beflügeln kann, dass ich das Leid in meinem Leben mit anderen Augen sehe und durchlebe. Ohne Kreuz gibt es kein neues Leben aus Christus, kein Reich Gottes in dieser Welt, in mir. In meinem Kreuz habe ich ein göttliches Überlebenspaket und Powerpack für mich in meinen Glaubensweg zu Gott: „Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen“ (Mk 8,34; Lk 9,23; Mt 16,24).
Kreuz und Leid sind für Christen zwei ganz und gar unterschiedliche Dinge! Jesus erlebte beide Dinge gleichzeitig, sozusagen als Einheit. Als Gottessohn war es für ihn gerade so verkraftbar. Für einen Christen sind Kreuz und Leid nicht gleich zu setzen. Das Kreuz erhalte ich, wenn ich an Jesus Christus, als meinen Erretter und Erlöser, glaube und mich auf den Weg zu Gott mache (vgl.: Mk 8,34; Lk 9,23; Mt 16,24). Leid sind alle er- und bedrückenden Lasten, die ich als Mensch in meinem Leben auf Erden so auszuhalten habe.
Auf dem Weg zu Gott kann es schwer sein, in das Wesen Jesu hinein zu wachsen, im Nächsten Jesus zu sehen, Liebe zu leben, sich Dinge zu verkneifen, die nicht zu Gott führen, wegen seines Glaubens belächelt, verspottet zu werden. Das ist das Kreuz in seiner negativen, aber in Mitteleuropa noch sehr milden, fast angenehmen Ausprägung (vgl.: Mk 8,34; Lk 9,23; Mt 16,24).
Zum Kreuz gehören aber auch
- ein waches Gewissen (- NICHT das anerzogene schlechte Gewissen -),
- die Möglichkeit zu erkennen, was einen näher zu Gott führt,
- die Freude, wenn ich ein neues Stückchen von Christi Wesen an mir entdecke,
- die Kraft aus meiner persönlichen Beziehung zu Gott,
- die Liebesgebote Christi, die mich zum richtigen Handeln anleiten,
- das Ausruhen in Gottes Liebe,
- die Motivation, auf dem Weg zu Gott nicht aufzugeben
- usw.
Das sind einige Beispiele für die positive Seite des Kreuzes (vgl.: Mk 8,34; Lk 9,23; Mt 16,24). Das Kreuz sind für mich alle Dinge, die mit Gott und meinem Weg zu ihm zu tun haben – das sind alles Dinge, die ich für mein (Über-)leben auf der Erde nicht brauche, wenn ich nicht glaube.
Das Leid in meinem Leben hat nichts mit Gott zu tun. Die Dinge, die in mir Stress, Druck, Sorgen, Belastungen, Krankheiten erzeugen, sind menschengemacht, u.a. durch Gruppenzwänge in meinem Lebensumfeld. Die Quellen dafür können u.a. in der Familie, in der Verwandtschaft, in der Gemeinde, im Freundeskreis, im Amtsträgerkreis, in der Kirchenhierarchie, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft, in der Schule, in der Erziehung, durch Konkurrenz in allen Lebensbereichen gefunden werden. Das Leid entsteht durch die Dinge, die auf mich einprasseln, genauso wie, durch dieselben Dinge, die ich an Druck und Zwängen in meiner Umgebung aufbaue, meinem Nächsten überstülpe. Ich stecke nicht nur ein, ich bin auch kräftig am austeilen, um mich zu entlasten, um weiter zu kommen, um auch mal etwas darzustellen (vgl. Mt 16,22.23.25.26).
Beides verkrafte ich auf Dauer nicht! Wenn ich mich nicht reflektiere, mein Denken und Tun nicht spiegele, dann werde ich irgendwann krank, wenn nicht körperlich, dann seelisch (vgl.: Mk 8,36; Mt 16,26). Und wenn ich seelisch angeknackst bin, dann stelle ich auf einmal Gott und meinen Glauben an ihn sehr schnell auf den Prüfstand: Gott hat schuld! Warum lässt er das zu? Wenn es einen Gott gäbe … Hier wird Gott in das Leid herunter gezogen (- Es entstehen die sogenannten Kreuzesträger -), anstatt das Kreuz zu benutzen, um das Leid mit Gott anders durchleben zu können. Ich wünsche uns allen einen allein an Jesu konfessionslosen Evangelium ausgerichteten Gottesdienst
Liebe Grüße
Fred
(*: aus „Liebe. Die Religion in Geschichte und Gegenwart“, S. 19906 (vgl. RGG Bd. 4, S. 365-366))
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von fred: 03.08.2010 00:18.
|
|
03.08.2010 00:16 |
|
|
fred unregistriert
 |
|
| Querverweise zu Mk 8,34.35 |
 |
Mt 10,38.39 - Bedingungen der Nachfolge
34 »Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. 35 Ich bin gekommen, um ›den Sohn mit seinem Vater zu entzweien, die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; 36 die eigenen Angehörigen werden zu Feinden‹. 37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein. 38 Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein. 39 Wer sein Leben erhalten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.« (NGÜ)
Mt 16,24.25
22 Da nahm ihn Petrus beiseite und versuchte mit aller Macht, ihn davon abzubringen. »Niemals, Herr!«, sagte er. »Auf keinen Fall darf so etwas mit dir geschehen!« 23 Aber Jesus wandte sich um und sagte zu Petrus: »Geh weg von mir, Satan! Du willst mich zu Fall bringen. Was du denkst, kommt nicht von Gott, sondern ist menschlich!
Anforderungen der Nachfolge
24 Dann sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen. 25 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. 26 Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er selbst dabei unheilbar Schaden nimmt? Oder was kann ein Mensch als Gegenwert für sein Leben geben? 27 Denn der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und wird jedem nach seinem Tun vergelten. 28 Ich sage euch: Einige von denen, die hier stehen, werden nicht sterben, bis sie den Menschensohn in seiner Königsherrschaft kommen sehen.« (NGÜ)
Lk 9,23.24 - Anforderungen der Nachfolge
23 Nun wandte sich Jesus an alle und sagte: »Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz täglich auf sich nehmen und mir nachfolgen. 24 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. 25 Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er dabei sich selbst ins Verderben stürzt oder unheilbar Schaden nimmt? 26 Denn wer nicht zu mir und meinen Worten steht, zu dem wird auch der Menschensohn nicht stehen, wenn er in seiner Herrlichkeit und in der Herrlichkeit seines Vaters und der heiligen Engel kommt. 27 Glaubt mir: Einige von denen, die hier stehen, werden nicht sterben, bis sie das Reich Gottes gesehen haben.« (NGÜ)
|
|
03.08.2010 00:20 |
|
|
fred unregistriert
 |
|
| Nachfolge Jesu (im Neuen Testament) |
 |
Die Schüler eines jüdischen Rabbi gehörten für die Zeit ihrer Ausbildung zum Haushalt ihres Lehrers und bildeten mit ihm eine Lern- und Lebensgemeinschaft. Bei öffentlichem Auftreten ging der Meister voran, seine Schüler »folgten ihm« in angemessenem Abstand »nach«.
Das Erscheinungsbild Jesu muss in vielem dem eines solchen Rabbi mit dem Kreis seiner Jünger (wörtlich: »Schüler«) geglichen haben. Doch hatte Jesus keinen festen »Haushalt«, und seine Jünger waren angewiesen, seine Heimatlosigkeit und Ungeborgenheit zu teilen (Mt 8,19-20 par). Sie mussten für ihre Ausbildung auch nichts bezahlen, wie es sonst üblich war; wie ihr Meister und mit ihm lebten sie in äußerster materieller Anspruchslosigkeit, ganz vertrauend auf die Fürsorge Gottes, der für sie in besonderer Weise zum »Vater« wurde, wie er es für Jesus war (Abba; Mt 6,9.11.25-34; 10,9-10; 12,1).
Für das Zustandekommen des Jünger- oder Nachfolgeverhältnisses ging die Initiative nicht – wie sonst üblich – vom Bewerber aus, sondern von Jesus; er »beruft« (Mk 1,16-20; 2,13-14), wen er will (Mk 3,13; Joh 15,16). Der Ruf löst aus allen weltlichen Sicherungen und menschlichen Bindungen und setzt menschliche Rechte, Ansprüche, Pflichten souverän außer Kraft (Mk 1,16-20; 2,13-14; Lk 9,59-62; Mt 10,37; vgl. 1Kön 19,19-21; ferner Mt 12,46-50; 19,10-12). Wer den Ruf annimmt, muss mit seinem Leben abgeschlossen haben (Mk 8,35 par; Lk 14,26); er darf sich selbst »nicht mehr kennen« (muss sich selbst »verleugnen«), er muss damit rechnen, in dieser Welt verkannt, verachtet und wie ein Verbrecher hingerichtet zu werden (Mk 8,34 par; Mt 10,38 par).
Wie die Zeichen und Wunder Jesu – und anders und mehr noch als sie alle – ist der Jüngerkreis Jesu ein Zeichen der anbrechenden Gottesherrschaft (Reich Gottes), und in diesem Sinne ist er »Salz der Erde«, »Licht der Welt«, »Stadt auf dem Berge« (Mt 5,13-16). Die Jünger, die schon durch ihre Existenz und Lebensweise Zeugnis ablegen für die anbrechende Gottesherrschaft, werden von Jesus ausgesandt, durch Wort und Tat das Kommen der Gottesherrschaft zu verkünden und zu bezeugen; sie werden an Auftrag und Werk Jesu beteiligt (Mk 3,13-15; Lk 9,1-6; 10,1-12.16).
Nachfolge und Jüngerschaft haben zu verschiedenen Zeiten jeweils unterschiedliche Ausprägungen erfahren. Die grundsätzlich getroffene Entscheidung zur Nachfolge und die darin angelegten Konsequenzen sind jeweils in unterschiedlichen Maßen konkret »abgerufen« und real eingefordert worden. So hat schon von den Jüngern des irdischen Jesus nicht jeder einzelne den Zeugentod sterben müssen (Joh 21,21-22); nicht jeder wurde gerufen, Jesu ruheloses Wanderleben und seine Heimatlosigkeit mit ihm zu teilen (Lk 10,38-42; Joh 11,1-3); nicht alle wurden auf den Weg radikalen Besitzverzichts (Mt 27,57; Lk 19,2.8 ) oder auf den der Ehelosigkeit mitgenommen (vgl. 1Kor 7,7; 9,5); nicht jeder wurde zur Wortverkündigung ausgesandt (Lk 9,1-2; 10,1; vgl. Apg 13,1-3). Doch die grundsätzliche Bereitschaft zu all dem ist unabdingbare Voraussetzung und Konsequenz jeglicher Jüngerexistenz (Lk 14,25-35). In jedem Fall ist der Jünger Jesu nicht mehr fraglos in dieser Welt verwurzelt, weil er schon der neuen Welt Gottes angehört (Lk 12,32-34; Joh 17,14-16; 1Kor 7,29-31); aber er weiß sich dieser Welt doch aufs tiefste verpflichtet, weil er ihr das Zeugnis schuldet von eben jener neuen Wirklichkeit, die mit der Sendung Jesu von Gott her in diese vergehende Welt einbricht (Mt 5,13-16; Joh 17,17-19; 1Petr 2,11-17; Mt 17,24-27).
Der Auftrag des Auferstandenen lautet: »Machet zu Jüngern alle Völker« (Mt 28,19). Das bedeutet die Herauslösung der Menschen aus der vergehenden, von Sünde und Tod gezeichneten Welt und ihre Eingliederung in die kommende Welt Gottes, die von Gottes Gerechtigkeit und Gottes ewigem Leben bestimmt ist – eine Neubegründung und Neuorientierung des ganzen Lebens, wie sie in der Taufe geschieht (Mt 28,19b; vgl. Röm 6; Kol 3,1-4). »Machet zu Jüngern« bedeutet darüber hinaus: »Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe« (Mt 28,20a); damit ist zuerst und vor allem die Bergpredigt (Mt 5–7) gemeint. Jüngerschaft und Nachfolge heißt also nachösterlich: aus der empfangenen Taufe leben und in Jesus und mit ihm (vgl. Mt 28,20b) den von ihm gewiesenen Weg gehen. Da dies grundsätzlich die Berufung eines jeden Christen ist, werden in der Apostelgeschichte alle Christen konsequenterweise als »Jünger« bezeichnet (Apg 6,1-2.7; 9,1-2.19.25-26.38; 11,26.29; 13,52 usw.).
(aus: Kleines Lexikon zur Lutherbibel (KLLu0508))
|
|
03.08.2010 00:22 |
|
|
fred unregistriert
 |
|
| Wer sein Leben für sich haben will |
 |
Markus 8,31-36: „Und Jesus fing an zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und redete das Wort frei und offen. Da nahm Petrus ihn beiseite und sagte entsetzt: Das widerfahre dir nur nicht! Und wollte ihn davon abbringen. Er aber wandte sich von ihm ab, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist. Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalte Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele?“ (LUT – Lutherbibel 1984)
Wie ein Schlusswort klingt mir das, bevor Jesus aufbricht zu seinem letzten Gang. Als wäre alles vorher Anlauf gewesen, Vorwort vielleicht nur. Auch das Markusevangelium, dem dieser Text entstammt, nannte man eine Passionsgeschichte mit ausführlicher Einleitung, und es gab Christen, die nur Kreuzigung für wichtig hielten, - eben dass hier Gottes Sohn umgebracht wurde, und so der Welt Sünde gebüßt wurde. Andere hielten nur die Auferstehung für den Sinn des Jesus: damit ist der Tod entmachtet. Das ist die Erlösung. Dabei lebt doch Jesus ein Leben, das erhellend ist, sein Leben ist die Erlösung. Und wie er zu leben, das bringt uns ein Leben, das wir nicht bereuen müssen.
Also nicht nur das Ende und die Erhebung aus dem Tod ist die Rettungstat Jesu. Sondern auch sein Alltag war ein Lied in höchsten Tönen. Er drehte ein großes Rad, seit er aus der Kindheit bei Maria, aus der Lehre bei Josef in Nazareth aufgebrochen war, zu seiner Berufung. Doch auch die Gespräche mit den Leuten in Galiläa zogen den Himmel auf die Erde, er kettete ihnen die Phantasie los, dass sie ihre Welt verändern; Er hob dem Blinden das Gesicht der Sonne zu und damit öffnete er die Augen Vieler: Du, Mensch, kannst "Ich" sagen, weil Du in einer unbedingten Beziehung stehst. Was um dich herum ist, ist Materie Gottes, und du auch, aber dein Wesen ist Sohnsein, Tochtersein. Die Weltenergie, aus der du bist und die dich trägt, und die mit dir gestaltet, die nenne Vater-Mutter. Du bist Tochter Gottes, Sohn Gottes, nichts anders, im wesentlichen. Dann wirst du Helfer aller. Und alle werden deine Helfer. Jesus lehrte die Menschen „Ich“ zu sagen, mit aufrechtem Gang innen, inklusive aller Gebrechen und Sünden. Du, unbedingt Kind, vom ewigen Herz aller Dinge, Jesus belehrte sie mittels seines Ich-Seins: Er konnte sich herüberbeugen zum anderen, dass dessen Leben und seins ineinanderflossen, konnte dann aber wieder gehen. Und der andere blieb gestärkt zurück. Jesus konnte lieben, dass der andere nicht beraubt war, sondern großgemacht: Als von ihm erkannt, sah sich keiner durchschaut, sondern verstanden; von ihm geliebt, lernten die Menschen sich selber wieder wertzuschätzen, - sahen in sich ihre Würde als Mensch Gottes wieder wachsen. Und ließen darum die Nickeligkeiten und krummen Lügen, weil sie sich selbst zu schade wussten fürs Miessein. Sie haben mit ihm ihr Veränderbarsein erlebt. Als Veränder-Energie der Liebe zog er sich durch die Geschichte, bis hierher, trifft uns hier: Sagt Dir, mir: Wenn du dich für dich aufsparen willst, dann wirst du leere Hülle, spurenlos gehst du davon, wie nie gewesen.
Aber Du, Du, wenn du dich erhalten willst, dich durchsetzen, dich behaupten, aufwerten willst mit deinem Tun, dann machst du schiefe Sachen, weil du beim Zielen ins Publikum schaust. Für deine Ehre, deine Lebensverlängerung, deine Vorteile kämpfst. Statt einfach nur gute Arbeit zu machen, finden, schaffen, Ware zu gutem Preis beschaffen, der Stadt Bestes besorgen. - Es fällt schon genug ab für dich dabei. Nicht: wie kann ich am besten Geld verdienen, sondern wie kann ich mit meinen Gaben den Menschen viel geben, so dass sie mir auch was geben, - so herum meint das Jesus: Sorg für den Weinberg des Lebens und der Weinberg sorgt für dich. Betreibe deine Arbeit, ohne an dich zu denken, dann ernährt sie dich gut. Hilf, dass ein Gespräch läuft, dann kommt die gemeinsame Wahrheit heraus, die auch dir zugute kommt.
Jesus hat mit seiner Menschenfreundlichkeit viele zu ihrer Menschenfreundlichkeit erlöst: So gehe hin und tue desgleichen - endet die Geschichte vom Barmherzigen Samariter. Ich meine nicht, Jesus habe sich verleugnet. Er hat sich wiedergefunden in seinen Nächsten, und wenn sie ihm zu sehr gegen den Strich gingen, dann ging er weg. Gehört zu einem Leben in Liebe, dass man sich verleugnet? Man muß sich öfter auf die Zunge beißen, denn einiges, was auf der Zunge liegt, sollten wir runterschlucken. Immer wieder die Lust, kurzen Prozess zu machen, mit Macht die Probleme lösen: Macht muss nicht Brüllen oder Prügel sein, es kann auch Geldentzug sein, oder verhängtes Schweigen, Entzug der Kinder, der Enkel. Und Gegenmacht auffahren, Zugang erzwingen. Entwaffnung erzwingen.
Aber lieber verachtet werden als verhasst sein - so Elias Canetti, mir geht das auch gegen den Strich, aber das ist Jesu Lockruf zur sanften Klarheit, lieber Unrecht leiden, als Unrecht tun - nur wie sich dahin überwinden? Ich müsste meine Wut verleugnen, verleugnen meine Gier, mir Gerechtigkeit nach meiner Vorstellung zu erzwingen.
Mal ein Dank für alle altgewordenen Mütter, die mit wenig Aufmerksamkeit ihrer Kinder durchkommen, Dank für alle Kinder, die für ihre Geschwister den Eltern Obhut geben, später deren Gräber pflegen. Dank an alle Lehrer, die in den Pausen und nach der Schule sich noch verwickeln lassen, Dank den Mitmenschen, die den Kollegen in Not nicht hängen lassen. Sondern die ihren kleinen mickrigen Egoismus verleugnen, besser: in Schach halten, ihm den Platz anweisen, ihn angeleint halten.
„Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich.“
Jesus nahm sein Kreuz auf sich: Klarheit zu schaffen, wer Gott sei: Der Gott des Gesetzes oder der Liebe; der Strafe oder des Erbarmens; der Zucht in Reih und Glied oder der Freiheit, des Gehorsams oder der Freude. Läßt Gott die Gewalt aktiv zu oder erleidet er sie? Jesus nimmt das Kreuz auf sich, das als Hinrichtungswerkzeug für Gotteslästerer galt. Er widerrief nicht. Damit haben wir die Ideale Freiheit und Gleichheit und Geschwisterlichkeit eingepflanzt bekommen.
Dem Jesus nach haben im Laufe der Geschichte eine Reihe von Menschen den Märtyrertod auf sich genommen, Bonifazius, Johann Hus, Bonhoeffer, Bischof Romero und die Unbekannten, die wegen ihres Glaubens, wegen ihrer Konfession umgebracht wurden. Ganz nah dem Jesus sind auch die, die um ihres Glaubens willen ermordet wurden, oftmals wahnsinnigerweise im Namen des Kreuzes. Was ist gemeint damit: „Der nehme sein Kreuz auf sich“ - ja, was ist dein Kreuz? Dir aufgegeben, aus Verhängnis oder Entscheidung. Nicht mich aufgeben,- der Jesus hat sich ja verwirklicht in seinem Weg, hat sich so wahr gemacht. Welche Mühe musst du tragen, das ist das eine, aber daneben der Raum deiner Entscheidung; Du, stell dich der unangenehmen Aufgabe. Es hat Verheißung, danach wieder mehr Luft, mehr Freiheit; wenn du jetzt dein Kreuz auf dich nimmst, sagst, was gesagt sein muß, zahlst, was gezahlt sein muß. Geben, was gerecht ist, aber auch zusammenhalten, zwei Lieben oder zwei Pflichten, zwei Loyalitäten, zwei Ziele: Freiheit und Gleichheit: das ist auch ein Kreuz, - beides anzustreben, nicht entweder oder. Friedenswille braucht in letzter Konsequenz Machtmittel, - das ist auch ein Kreuz, das wir tragen müssen. Wir wollen Polizei, die auf Notruf kommt. Wie helfen wir bei den Notrufen aus der Weltfamilie? Jesus verspricht: Trag dein Kreuz. So bewahrst du deinen Seele, so wahrst du deine Würde. Auch wenn du, was du gewonnen hast, wieder fahren lässt. „Was hülfe es dem Mensche, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele?" - das ist doch nur wahr.
Jesus weiß, er muß nach Jerusalem, da muß die Entscheidung fallen, ob Gott für ihn ist, ob Gott so ist, wie Jesus es sagt. Petrus, der besorgte Freund nimmt ihn beiseite, such nicht die Konfrontation, gib dich zufrieden und sei stille, man kann ja doch nichts machen, fordere das Schicksal nicht heraus. Jesus: Weiche von mir, Satan. Du bringst mich von mir ab, ich soll werden wie du mich haben willst. Später dann treibt Petrus von sich weg. Er verrät Jesus um sein kleines Leben zu retten, vielleicht nur wollte er weiter ungeschoren am wärmenden Feuer stehen; ...
Uns allen möge gelingen, was wir müssen. Tu, was du tun musst. Will das Richtige, du weißt schon, welches Kreuz deines ist. Und du wirst getragen sein, mit Kreuz.
(aus: http://www.lebensmut.de/show.php?inhalt=inhalt/030302.html )
|
|
03.08.2010 00:24 |
|
|
|
|
|
 |
Views heute: 2.348 | Views gestern: 2.536 | Views gesamt: 9.625.077
 |
RSS Feeds abonnieren |
|