|

|
|
|
 |
11./.12.08.2010 - Römer 4, 20.21 |
fred unregistriert
 |
|
| 11./.12.08.2010 - Römer 4, 20.21 |
 |
Gottes Zusage an Abraham – nur an den Glauben gebunden
13 Nicht anders ist es mit der Zusage Gottes an Abraham, ihm als Erben die ganze Welt zum Eigentum zu geben. Auch diese Zusage, die ihm und darüber hinaus seinen Nachkommen galt, war nicht an die Befolgung des Gesetzes gebunden. Sie wurde ihm vielmehr gegeben, weil er aufgrund des Glaubens in Gottes Augen gerecht war. 14 Wenn das Erbe denen in Aussicht gestellt wäre, denen das Gesetz gegeben ist, wäre der Glaube überflüssig. Außerdem wäre die Zusage dann hinfällig, 15 denn das Gesetz zieht Gottes Zorn nach sich, weil es übertreten wird. Übertretungen gibt es nur dort nicht, wo es kein Gesetz gibt. 16 Deshalb also ist die Zusage an den Glauben gebunden; ihre Erfüllung soll ein Geschenk der Gnade sein. Damit ist sichergestellt, dass die Zusage für die gesamte Nachkommenschaft Abrahams Gültigkeit hat. Sie gilt nicht nur für die Nachkommen, denen das Gesetz gegeben wurde, sondern auch für die, die – ohne das Gesetz zu haben – so glauben, wie Abraham glaubte. Denn er ist der Vater von uns allen, 17 genau wie es in der Schrift heißt: »Ich habe dich zum Vater vieler Völker gemacht.« Ja, in Gottes Augen ist er das, denn er vertraute auf ihn, den Gott, der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft. 18 Da, wo es nichts zu hoffen gab, gab er die Hoffnung nicht auf, sondern glaubte, und so wurde er der Vater vieler Völker. Es war ihm ja vorausgesagt worden: »So zahlreich werden deine Nachkommen sein.« 19 Abraham war damals fast hundert Jahre alt und konnte keine Kinder mehr zeugen; in dieser Hinsicht war sein Körper gewissermaßen schon tot. Nicht anders war es bei seiner Frau Sara, denn auch sie konnte keine Kinder mehr bekommen. Und obwohl Abraham seine Augen nicht vor dem allem verschloss, ließ er sich in seinem Glauben nicht entmutigen. 20 Statt die Zusage Gottes in Frage zu stellen, wie es der Unglaube tun würde, ehrte er Gott, ´indem er ihm vertraute,` und wurde dadurch in seinem Glauben gestärkt. 21 Er war fest davon überzeugt, dass Gott die Macht hat, das, was er zugesagt hat, auch zu tun. 22 Das ist also der Grund, weshalb ihm – ´wie es in der Schrift heißt` – der Glaube als Gerechtigkeit angerechnet wurde.
Abrahams Glaube: Vorbild für alle, die glauben
23 Die Aussage, dass der Glaube Abraham angerechnet wurde, betrifft nicht nur ihn, 24 sondern steht auch unseretwegen in der Schrift. Auch uns wird der Glaube angerechnet werden. Denn der ´Gott`, auf den wir unser Vertrauen setzen, hat Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt – 25 ihn, der wegen unserer Verfehlungen dem Tod preisgegeben wurde und dessen Auferstehung uns den Freispruch bringt.
(NGÜ – Neue Genfer Übersetzung)
Glaube und Zweifel
Glaube und Zweifel sind Geschwister. Ein Glaube, der immer zu 100 Prozent daherkommt und keinerlei Zweifel kennt, hat mein tiefstes Misstrauen, ebenso wie ein ideologischer Zweifel, der an allem zweifelt, nur nicht an sich selbst. Die absolute Wahrheit ist nur bei Gott, wir Menschen hingegen sind nur bedingt in der Lage, diese Wahrheit zu erfassen. Weil wir Menschen prinzipiell fehlbar sind, ist eine gesunde Skepsis auch und gerade sich selbst und seinen eigenen Überzeugungen gegenüber durchaus angebracht. Umgekehrt entdecke ich im aufrichtigen – das heißt: nicht ideologischen – Zweifel oft den ersten Keim eines echten Glaubens. Viele Menschen, die meinen, zu zweifeln, glauben schon längst. In unserer Gemeinde haben Zweifel und Zweifler Platz. Wer weiß: Vielleicht finden bei uns deswegen so viele zum Glauben …
(http://www.douglass.de/person/philosophie/index.php)
Wie viel Zweifel verträgt der Glauben?
Christen nehmen sich ganz schön was heraus: Sie debattieren regelmäßig mit ihrem Gott, bekritteln die Kirche - für Gläubige anderer Religionen undenkbar
Diese Bibel muss man einfach lieben - nicht zuletzt wegen der Gelassenheit, mit der ihre Hauptakteure die penetranten Störungen ihrer öffentlichen Auftritte ertragen. Nehmen wir Jesus von Nazareth. Er ist nicht nur fortgesetzt den verqueren Fragen der Pharisäer ausgesetzt, sondern stößt sogar auf die massiven Zweifel der eigenen Anhänger.
Und die Bibel transportiert diese Zweifel haarklein. Da hatte Jesus sich selbst in der Synagoge von Kapernaum wortreich als „Brot des Lebens" angepriesen, dessen Genuss Unsterblichkeit schenke. Das ging den anwesenden Zuhörern und auch den meisten seiner Anhänger entschieden zu weit. Die Bibel vermerkt ungerührt: „Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm" (Johannes 6,66).
Sätze wie dieser lassen einen besonderen Grundzug der Bibel erkennen: Sie rechnet allenthalben mit den Zweifeln der Menschen, selbst bei zentralen Glaubensinhalten. Wenn man so will: Die Religionsfreiheit ist in der Bibel, anders als zum Beispiel im Koran, bereits zugrunde gelegt. Gerade darin zeigen sich Stärke und Menschennähe der Bibel: Sie kleistert Fragen und Vorbehalte nicht mit unhinterfragbaren Weisheiten zu. Ohne die Freiheit des Menschen, sich auf das Angebot Gottes einzulassen, wäre der Glaube eine reine Gehorsamsfrage.
Wo sich Menschen auf ein ganzes Lebenskonzept einlassen, müssen sie auch Fragen stellen dürfen. Immerhin geht es ja nicht nur um den Wahrheitsgehalt einzelner Aussagen, mit denen man sich geistig auseinandersetzt, sondern um den Sinn des eigenen Lebens. Dazu gehören so weitreichende Haltungen wie die Bereitschaft, sich selbst ganz und gar als Geschenk anzusehen (und eben nicht als Produkt der eigenen Fähigkeiten und Leistungen); das Vertrauen, dass gute Mächte die Hand über einen halten (und hektische Sorgen um das eigene Wohlergehen damit überflüssig werden); die Zuversicht, dass die Liebe Gottes auch grobe Fehlleistungen der Menschen noch zu heilen vermag (und diese nicht das endgültige eigene Scheitern bedeuten).
Versteht man den Glauben in diesem umfassenden Sinn als Lebenseinstellung und eben nicht als Summe von Katechismusweisheiten, dann verändert sich auch die Zielrichtung der Frage: „Wie viel Zweifel verträgt der Glauben?" Zweifel an einzelnen theologischen Glaubenssätzen können und müssen sein; sie haben geringeres Gewicht als Vorbehalte gegenüber der Hoffnung, dass man in Gottes Hand geborgen sei. Das eine sind intellektuelle Anfragen, das andere grundsätzliche Zweifel daran, was dem eigenen Leben Sinn und Richtung geben kann. Oft genug kommen hinter einzelnen Sachfragen auch grundsätzliche Lebensfragen zum Vorschein. Da gilt es, klar zu unterscheiden.
Paul Tillich, einer der bedeutendsten evangelischen Theologen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, sprach vom „protestantischen Prinzip", wenn er auf die notwendige Kritik an kirchlichen Institutionen und Traditionen, an festgefahrenen Denk- und Verhaltensmustern zu sprechen kam. Gerade, weil er die lutherische Rechtfertigungslehre und damit den Vorrang göttlicher Gnade vor aller Leistung betonte, kritisierte er jede Überbetonung von Strukturen und Denkweisen, sei es in Bezug auf Staats- oder Gesellschaftsformen, sei es selbst der Kirchen, Konfessionen oder Dogmen. „Das protestantische Prinzip", so erklärte einmal Heinz Zahrnt, der evangelische Theologe und Journalist, „greift alle geheiligten Autoritäten, Mächte, Überlieferungen, Lehren und Institutionen an und unterwirft sie der Kritik. Es kämpft gegen jede Vergegenständlichung Gottes, es duldet keine heiligen Orte, Personen, Handlungen und Stunden: Niemand kann das Göttliche an Raum und Zeit binden."
Dieser Zweifel als innerstes evangelisches Prinzip ist zwar etwas anderes als die Religionsskepsis moderner Menschen, aber beides hat auch wieder miteinander zu tun. Denn gerade dadurch, dass der Protestantismus jeden menschlichen Anspruch auf unbedingte Autorität infrage stellt, trifft sich sein Anliegen mit der Skepsis derer, die der Kirche kritisch gegenüberstehen.
Wer allerdings in einer Haltung der Kritik verharrt, dem bleibt etwas Wesentliches verborgen: dass hinter den allzumenschlichen, manchmal selbstverliebten Seiten einer Kirche die eigentliche Kirche zu finden ist: die die Zweifler liebt.
(Eduard Kopp | aus: http://www.chrismonblogs.de/Religion-fue...der-glauben.htm)
Jean Calvin – Die Glaubensgerechtigkeit Abrahams
V.5. „Glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht“. Eine ausdrucksvolle Umschreibung, welche Wesen und Art des Glaubens und der Gerechtigkeit anschaulich macht. Hier wird vollends deutlich, dass der Glaube die Gerechtigkeit erwirbt, nicht insofern er eine verdienstliche Tugend ist, sondern insofern er Gottes Gnade empfängt. Paulus sagt ja nicht kurzweg, Gott schenke die Gerechtigkeit, sondern er lässt Gottes freie Gnade, die unserm Elend zu Hilfe kommt, von dem Hintergrunde unserer Ungerechtigkeit sich abheben. Alles in allem: keiner wird die Gerechtigkeit des Glaubens erlangen, der nicht in sich selbst gottlos ist. So redet der Apostel im Zusammenhange seines Gedankens, nach welchem der Glaube uns mit einer fremden, von Gott erbettelten Gerechtigkeit schmückt. Und wie schon früher (3, 24.28) heißt es auch hier: Gott rechtfertigt uns oder spricht uns gerecht -, wenn er Sündern umsonst verzeiht und Leute seiner Liebe würdigt, welchen er wohl zürnen konnte, kurz, wenn er unsere Ungerechtigkeit mit seinem Erbarmen deckt.
V.6. „… dass die Seligkeit sei allein des Menschen, welchem Gott zurechnet die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke“ Die Gerechtigkeit, ohne Zutun der Werke. Was wir schon öfter anmerkten (zu 2, 25; 3, 20), dass unter Gesetzeswerken viel mehr zu verstehen sei als bloß die Zeremonien, findet hier seine endgültige Bestätigung: denn statt „des Gesetzes Werke“ (3, 28) setzt Paulus jetzt „die Werke“. – Weiter belehrt uns die Zusammenstellung: Gott rechtfertigt den Menschen (V. 6), indem er ihm die Sünden vergibt (V. 7) noch einmal darüber, dass im Sinne des Paulus Gerechtigkeit nichts anderes ist als Besitz der Sündenvergebung (vgl. zu 3, 21.24; 4, 5). Endlich erfahren wir, dass diese Vergebung aus freier Gnade, ohne Rücksicht auf die Werke geschenkt wird. Dies liegt ja schon im Worte „Vergebung“. Ein Gläubiger, der seine Zahlung empfangen hat, vergibt und erlässt seinem Schuldner nichts. Von freiem Erlass kann nur da die Rede sein, wo ohne die Unterlage einer entsprechenden Zahlung der Schuldschein zerrissen wird. Die Meinung also, dass man die Vergebung der Sünden mit Bußwerken erkaufen müsse, widerstreitet der Lehre des Paulus gänzlich. Auch die Ansicht der katholischen Kirchenlehrer von einer halben Vergebung erscheint töricht: danach soll nämlich wohl die Schuld, aber nicht die Strafe der Sünde erlassen sein. Aber wie sollte Gott dazu kommen, vergebene Sünden noch zu strafen? – Des weiteren lässt unsere Stelle den Schluss zu, dass die Gerechtigkeit des Glaubens das ganze Leben umspannt. Denn wenn David alle Gewissensqualen mit dem Triumphruf des 32. Psalms abschüttelt, so redet er sicher aus eigenster Erfahrung. Dabei hatte er dem Herrn schon jahrelang gedient. Und noch immer findet die Erfahrung seines Elends keinen andern Weg zu Seligkeit und Glück, als dass Gott uns durch Vergebung der Sünden in seine Gnade aufnimmt. Damit fällt die törichte Ansicht, dass wir die Gerechtigkeit zwar anfangs weise ohne unser Verdienst durch den Glauben erlangen, dass wir aber dann ihren Besitz durch gute Werke festhalten müssen. – Wenn es aber zuweilen heißt, dass gute Taten zur Gerechtigkeit gerechnet würden (z. B. Ps. 106, 31), so bedarf auch darum die Lehre des Paulus keine Einschränkung. Wer an einzelnen Werken solche Erfahrung macht, muss zuvor durch Gottes Gnade gerechtfertigt worden sein. Denn eine vereinzelte Tat reicht dafür nicht aus. Vielmehr werden alle unsere Werke wegen ihrer Ungerechtigkeit verdammt sein, wenn die Rechtfertigung aus Glauben allein sie nicht deckt. Wer aber mit Christi Gerechtigkeit bekleidet ward, erfährt Gottes Gnade nicht nur für die seine Person, sondern auch für seine Werke. – Ganz ebenso steht es mit den Aussagen der Schrift über eine Empfindung von Seligkeit infolge der Werke (z. B. Ps. 1, 1 ff., 119, 1 ff.): Wohl denen, die den Herrn fürchten, die in seinen Wegen gehen, die Tag und Nacht an sein Gesetz denken usw. Denn da niemand dies mit der Vollkommenheit tut, welche Gottes Gebot erfordert, so sind dergleichen Seligpreisungen solange gegenstandslos, bis die Herzen durch Vergebung der Sünden gereinigt werden und damit die rechte Seligkeit erfahren, welche erst den Weg für die weitere Seligkeit bereitet, die Gott seinen Knechten verheißt, wenn sie um sein Gesetz und gute Werke sich mühen. Es ist dies ein Verhältnis wie zwischen Baum und Frucht.
(aus: http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id...emer-kapitel_04)
meine persönlichen Gedanken zum Bibelwort und für den Gottesdienst
Die Aussage „Gelegentliches Zweifeln ist etwas, was wir wohl kaum vermeiden können“ stimmt, aber warum so abwertend? Zweifel und Glaube gehören zusammen: ohne Zweifel keine Entwicklung im Glauben! Theoretisch kann der Heilige Geist alles in uns bewirken – praktisch hat Gott uns
- einen Kopf zum Denken und hinterfragen gegeben,
- einen verletzlichen Körper, dessen Schmerzen oder Lähmungen zur Verzweiflung führen können,
- eine zerbrechliche Psyche, die verletzt allen Glauben absurd aussehen lassen kann,
- eine Seele, die glauben will, aber auch oft nicht kann.
Und da soll Zweifel nicht erlaubt sein oder gar verteufelt werden? Ohne Zweifel kein Glaube und ohne Glaube kein Zweifel! Das Verhältnis ist bei jedem Menschen unterschiedlich und auch die Bewertung, was Glauben bzw. Zweifel ist, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Diese Unterschiede und die Möglichkeit zu zweifeln, sind Bestandteil des Menschseins und von Gott in seiner Schöpfung so angelegt.
Zweifeln ist nicht schlimm, es sei denn, es wird chronisch. Aber gegen alles Zweifeln ist Gottes Gnade und Erbarmen gewachsen. Jedes noch so kleine (Senf-)Körnchen Glaube, dass noch irgendwo in der Seele verborgen herumliegt, reicht für Gottes Gnade und Erbarmen. Auch wo dieses Körnchen nicht mehr vorhanden ist, kann fürbittendes Beten mit unerschütterlichem Glauben des Fürbitters an Gottes Gnade, Gott dazu bringen, sogar trotz Unglauben gnädig zu sein. Glaube überzeugt Gott, auch wenn er stellvertretend ist.
Ist Folgendes in 1Mo 17,15-17 starker Glaube? „Dann sagte Gott zu Abraham: »Deine Frau Sarai sollst du von jetzt an Sara nennen. Ich will sie segnen und dir auch durch sie einen Sohn schenken. Ich segne sie so, dass sie die Mutter ganzer Völker wird, sogar Könige werden von ihr abstammen.« Abraham warf sich vor Gott nieder, aber er lachte in sich hinein und dachte bei sich: »Ich bin hundert Jahre alt, da soll mir noch ein Sohn geboren werden? Und Sara ist neunzig, da soll sie noch ein Kind zur Welt bringen? « (GNB) Das ist genau das Gleiche, wie die Verleugnung des Petrus oder das Zweifeln des Thomas.
Abraham, Petrus und Thomas können als die großen Zweifler in der Bibel hingestellt werden. Warum? Es wird von ihrem Zweifel berichtet und deshalb muss er wichtig sein – deshalb müssen Zweifler wichtig sein. Ja, Zweifler sind wichtig, denn die Bibel zeigt, dass gezweifelt wird und vorher geglaubt und danach wieder geglaubt wird. Gott war gnädig zu Abraham, als dieser ihn auslachte. Petrus hat bitter geweint und die Chance bekommen, es später besser zu machen, obwohl er auch später eine Tendenz zum Zweifeln hatte und nicht zum Heiden Kornelius und in sein Haus gehen wollte. Jesus sagte zu Thomas, dass Glaube ohne zu sehen, glücklich/glückselig/selig macht, aber nicht, dass durch einen Glauben, der durch das Sehen entsteht, kein Heil, keine Erlösung möglich ist. Thomas wird nur deshalb der Ungläubige genannt, weil später nichts mehr vom Glauben des Thomas überliefert wurde. Also wieder ein Vorurteil – und wir sollen doch nicht richten!
Bei den Ereignissen, die die Drei durchlebten, würde ich wohl auch eher zweifeln, als glauben. Und wenn wiederholt solche unglaublichen Ereignisse eintreten würden, würde ich wohl auch noch öfter zweifeln. Wichtig ist, dass sich danach wieder Glauben findet. Es ist nicht wichtig, immerzu stark zu glauben, sondern Zweifel zuzulassen, ihn zu erkennen, ihn verarbeiten, damit wieder Glaube aus ihm hervorgehen kann. Alles Andere hat nichts mit der Menschenfreundlichkeit Jesu zu tun. Klar, Jesus hat klare Worte gesprochen – das tun liebende Eltern und liebende Lebenspartner auch – aber er hat nicht ver- oder geurteilt. Er hat oft einfach nur den Weg aufgezeigt, der sich öffnet, wenn man seinen Rat nicht befolgt. Das hat nichts mit der Erzeugung von schlechtem Gewissen oder verkappten Drohungen zu tun. Auch wenn der Aussprechende dies nicht so wahr nimmt, so fehlt dort
- ein Stück der Liebe Gottes, ein Stück von Jesu Wesen,
- Einfühlungsvermögen, zumindest, der Teil, den man erlernen kann
- eine alle annehmende und allen zugeneigte (Grund-)Haltung.
Wenn wir mehr auf Vertrauen, als auf Glauben setzten würden, dann würden wir Gottes Nähe in unserem Leben mehr verspüren und dann wäre Zweifeln einfach eine Phase, in der das Vertrauen mal etwas weniger ausgeprägt ist, aber wiederkommt. „Durch die Bereitschaft Abrahams, Gott bei seinem Wort zu nehmen, wurde das rechte Verhältnis zwischen Gott und ihm hergestellt.“(1) „Wenn also die Bereitschaft Abrahams, Gott bei seinem Wort zu nehmen, das rechte Verhältnis zwischen Gott und ihm bewirkt hat, dann verhält es sich bei uns nicht anders. Nicht durch Werke des Gesetzes“(2) oder einer Lehre „sondern durch vertrauenden Glauben wird das rechte Verhältnis zwischen Gott und den Menschen hergestellt.“(3) „Solange wir glauben, daß alles von unseren eigenen Anstrengungen abhänge, können wir nur Pessimisten sein, denn die Erfahrung lehrt uns, daß wir aus eigener Kraft nur sehr wenig vermögen. Sobald wir dagegen erkennen, daß es nicht auf unser eigenes Bemühen, sondern in erster Linie auf die Gnade und Kraft Gottes ankommt, werden, wir zu Optimisten, weil wir dann gar nicht anders können als glauben, daß mit Gott nichts unmöglich ist.“(4)
Hier liefert Barclay ein ermunterndes und positives Gottesbild. So hat man einen Grund, gerne glauben zu wollen. Es gibt keine Vorbedingungen in Form irgendwelcher Regeln, Lehren und Vorschriften. Die BEREITSCHAFT, zu vertrauen, reicht aus. Weiter reicht es aus, Gottes Gnade und Kraft einfach anzunehmen. Dann schenkt Gott uns Glauben – nicht nur irgendeinen – einen, der Berge versetzen kann. In erster Linie geht es hier um die persönliche Beziehung zu Gott. Wenn diese vertrauensvoll gepflegt wird, nicht nur durch den Gottesdienst, aber erst einmal ohne Werke, dann sind wir durch Gott vor ihm gerecht gemacht. Aus dieser Freude über das Angenommen-Sein durch Gottes unendliche Liebe, kann nur Optimismus entstehen, zumindest in Bezug auf Gott. Aus dieser beschwingten Einstellung heraus, gelingen dann auch Werke mit Hilfe der Kraft Gottes und man lernt mit dem Zweifel umzugehen, anstatt ihn zu verdrängen.
Ich wünsche uns allen einen Gottesdienst,
der zu einem christuszentrierten Glauben motiviert und nicht Zweifel und Unglaube bekämpft
Fred
(1) William Barclay „Auslegung des Neuen Testaments“, Brief an die Römer, Aussaat Verlag 2006, S.80
(2) ebenda, S.81
(3) ebd
(4) ebd
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von fred: 10.08.2010 11:46.
|
|
10.08.2010 02:38 |
|
|
|
|
|
 |
Views heute: 2.239 | Views gestern: 2.536 | Views gesamt: 9.624.968
 |
RSS Feeds abonnieren |
|