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Zum Ende der Seite springen 22.08.2010 - Lukas 2,37
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fred
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Die Prophetin Hanna
36 ´In Jerusalem` lebte damals auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuels aus dem Stamm Ascher. Sie war schon sehr alt. Nach siebenjähriger Ehe war ihr Mann gestorben; 37 sie war Witwe geblieben und war nun vierundachtzig Jahre alt. Sie verbrachte ihre ganze Zeit im Tempel und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. 38 Auch sie trat jetzt zu Joseph und Maria. Voller Dank pries sie Gott, und zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten, sprach sie über dieses Kind.
(NGÜ – Neue Genfer Übersetzung)


Treue

In der biblischen Begriffswelt ist Treue nahe verwandt mit Glauben. Der Glaube ist vertrauendes Festhalten an Gottes Zusage, Beständigkeit in dem Bunde, den Gott mit dem Volke geschlossen hat. Unser Unglaube hebt Gottes »Treue« nicht auf (Röm 3, 3). Gott hat sich in seinen Verheißungen gebunden, hat uns seine Gnade zugesagt, und unser »Glaube« ist insofern seiner »Treue« korrelat*, als wir dessen versichert sein dürfen, daß Gott bei seiner Zusage bleibt und sich uns als der »treue« Gott beweisen wird (1Kor 1, 9; 10, 13; 2Kor 1, 18; Hebr 10, 23 u. ö.).
(*korrelat = entsprechend / aus: W. Trillhaas - Treue. Digitale Bibliothek: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, S. 33543 (vgl. RGG Bd. 6, S.1012))


Gottes Treue angesichts der Untreue des Menschen (Römer 3, 1-8)

1 Aber was haben dann die Juden gegenüber den anderen Menschen noch für einen Vorteil? Und was ist der Nutzen der Beschneidung?

2 Nun, die Juden haben den anderen Menschen in jeder Hinsicht viel voraus. Vor allem ist es das eine, dass Gott ihnen seine Worte anvertraut hat.

3 Aber wie steht es damit, dass einige von ihnen Gott nicht geglaubt haben, sondern ihm untreu geworden sind? Hebt ihre Untreue Gottes Treue auf?

4 Niemals! Was vielmehr klar werden soll, ist dies: Gott ist zuverlässig, und was er sagt, ist wahr, und jeder Mensch ist ´letztlich` ein Lügner, genau wie es in der Schrift heißt: »Es soll deutlich werden, dass du, Gott, im Recht bist und dass deine Worte wahr sind; du wirst dich siegreich behaupten, wenn man über dich zu Gericht sitzt.«

5 Wenn nun aber unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit erst richtig zur Geltung bringt, welchen Schluss sollen wir daraus ziehen? Etwa den, dass Gott ungerecht ist, wenn er seinen Zorn ´über uns` hereinbrechen lässt? (Ich rede ´bewusst einmal rein` menschlich.)

6 Nein, niemals! Sonst wäre es ja undenkbar, dass Gott die Welt richten wird.

7 Aber wenn ich doch nun ein Lügner bin, wird dann nicht gerade dadurch umso deutlicher, dass Gott zuverlässig ist und dass das, was er sagt, wahr ist? Ich trage also dazu bei, dass Gottes Ruhm noch größer wird. Wieso werde ich von ihm dann noch als Sünder verurteilt? 8 Und überhaupt – warum nicht noch einen Schritt weiter gehen und sagen: »Tun wir doch Böses, damit Gutes dabei herauskommt!«? Einige, die schlecht über uns reden, behaupten ja sogar, das sei es, was wir lehren.

Die, ´die uns so etwas unterstellen,` trifft Gottes Gericht mit vollem Recht.

9 Wie ist es denn nun? Sind wir ´als Juden den anderen Menschen gegenüber` im Vorteil, ´oder sind wir es nicht`?

Wir sind es ganz und gar nicht! Ich habe ja jetzt den Beweis erbracht, dass alle schuldig sind, die Juden ebenso wie die anderen Menschen, und dass alle unter der Herrschaft der Sünde stehen, 10 genau wie es in der Schrift heißt:»Keiner ist gerecht, auch nicht einer.
(NGÜ – Neue Genfer Übersetzung)


Gedanken zur Treue

Der Mensch erfährt sich als einen, der wesentlich auf dem Weg ist. ... Wenn er sich treu bleiben will, so muss er gehen. Wenn er Mensch werden will, muss er wandernd sich wandeln.
(Anselm Grün)

Wer sich selbst treu bleiben will, muß sich ändern, sich auf die Mitmenschen und ständig neue Umweltbedingungen einstellen. Doch vergessen wir nicht oft vor lauter Arbeit an uns selbst, vor lauter Ändern- und Verändernwollen zu schnell, daß Gott ja das Eigentliche an uns tut, daß er unsere Wunden und Verletzungen verwandeln und heilen möchte? Verwandlung meint, daß aus unseren Krankheiten, Sorgen, Konflikten und Träumen neue Chancen, Lebendigkeit und Echtheit wachsen können. … Dem fast gewaltsamen Verändern- und An-sich-Arbeiten-Wollen setzt er die Entfaltung der Person im Vertrauen auf Gott entgegen, ein Anderswerden, das die Schattenseiten unserer Existenz integriert.
(Beschreibung zu Anselm Grüns Buch „Der Verwandlung trauen“)

Von guten Mächten TREU und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last,
ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das Du uns bereitet hast.

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Laß warm und still die Kerzen heute flammen,
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.
(Dietrich Bonhoeffer)

Einem Brief vom 19. Dezember 1944 an seine Verlobte legte Bonhoeffer diesen Text als „Weihnachtsgruß für Dich und die Eltern und Geschwister“ bei. Dieses persönlich-biografische Gedicht bezog sich auch auf seine eigene Situation als Gefangener und die seiner Familie vor dem unausgesprochenen Hintergrund der NS-Herrschaft und des Krieges. Sein Bruder Klaus sowie die Schwager Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher waren inhaftiert, Bruder Walter war gefallen, seine Zwillingsschwester Sabine war mit ihrem jüdischen Mann Gerhard Leibholz ins Ausland gegangen. So schrieb Bonhoeffer in einem Begleitbrief zum Gedichttext an seine Verlobte: So habe ich mich noch keinen Augenblick allein und verlassen gefühlt. Du und die Eltern, Ihr alle, die Freunde und Schüler im Feld, Ihr seid immer ganz gegenwärtig. … Wenn es im alten Kinderlied von den Engeln heißt: zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken, so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsene heute nicht weniger brauchen als die Kinder.
(nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Von_guten_M...d_still_umgeben)


meine persönlichen Gedanken zum Bibelwort und für den Gottesdienst

Für Treue gibt es kein Tätigkeitswort. Es gibt nur das Hauptwort 'Treue' und das Eigenschaftswort 'treu' – letzteres oft im Zusammenhang mit 'sein'. 'Treu sein' ist also keine Tätigkeit, sondern eine Zustandsbeschreibung. Treue ist ein Merkmal, eine innere Einstellung, eine Tugend. Eine Tugend ist eine Fähigkeit und innere Haltung, das Gute leicht und mit Freude zu tun. Im Allgemeinen wird eine Tugend als Besitz einer positiven Eigenschaft betrachtet.

Treue ist eine Eigenschaft Gottes. Er ist und bleibt sich treu. Seine Treue zu uns Menschen ist unwandelbar (vgl. Röm 3,3.4). Gott ist der Einzige, der treu ist. Wir können es nicht und wenn wir meinen, wir können es, dann sind wir Lügner (vgl. Röm 3,4.7).

Aber das gibt es doch nicht. Das haben wir ja noch nie so gehört. - Hier ein Einstieg dazu: Treue ist eine innere Haltung, die den Wunsch und den Vorsatz enthalten kann, bei Gott zu bleiben, so wie im Konfirmationsgelübde gesprochen. Und wenn ich zurück schaue, kann ich sehen, ob ich treu geblieben bin bzw. wie oft ich treu war und wie oft ich untreu war. Das kann ich als Mensch in Verbindung mit Treue tun. Mehr nicht. Ich kann nicht treu tun – das hört sich gleich nach Heuchelei an. Ich kann auch keine Treue machen – Treue kann ich mir nicht schnitzen. Es hat schon seinen Grund, warum es kein Tätigkeitswort für Treue gibt.

Treue heißt Leben !!!
Leben heißt, etwas tun, seine Gaben und die Gegebenheiten ausschöpfen und genießen, so wie es den Umständen entsprechend gerade geht. Gott lebt und wir sollen auch leben mit Körper, Psyche, Verstand und Seele – leben mit allem, was wir haben, als ganzer Mensch. Dazu hat Gott uns geschaffen: Menschen sollen leben. Das ist schon einmal Treue zu Gottes Schöpfungswillen.

Wenn wir nicht leben sollten und unser Leben frei und erfüllt gestalten sollten, dann Gott sich mit Steinen und Felsen begnügen können. Hat er aber nicht,also sollen wir leben – in vollen Zügen und ohne uns zu verbiegen – so, dass wir uns selbst lieben können und lernen uns selbst treu zu sein. Alles andere ist Selbstbetrug und zeigt, wie leicht wir uns selbst belügen können, oft ohne es zu bemerken. Hier gibt es Grund genug zum Beten – beten, damit ich gerne lebe – beten, damit ich alle meine Gaben finde und entwickeln kann – beten, dass ich bemerke, wenn ich mich selbst belüge.

Und wo ist Gott dabei? Wenn ich mich traue, ihm zu vertrauen oder es zumindest versuche und mein Leben, so wie es ist, in seine Hände lege, ohne ihm irgendetwas versprechen zu müssen, dann ist der erste Schritt zu Gott getan. Dann traue ich mich, Gottes Treue zu mir, anzunehmen – ich beginne zu verstehen, dass ich nie tiefer als in Gottes Hand fallen kann, siehe D. Bonhoeffers Gedicht „Von guten Mächten treu und still umgeben“. Wenn man unter solchen Umständen sagen kann „ So habe ich mich noch keinen Augenblick allein und verlassen gefühlt ... so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsene heute nicht weniger brauchen als die Kinder“, dann wird aus Vertrauen Treue.

Aber das ist keine angewöhnte Treue und auch keine Treue, die man gehorsam versucht, weil man es so tun soll oder weil einem nahegelegt wird, treu zu sein. Das ist eine Treue, die gewachsen ist, ganz tief im Herzen – in vollster Intensität und doch immer auf Kippe, in Verzweiflung und Gott-Abgewandtheit umzuschlagen. Glücklicherweise sind wir selten in ähnlichen Situationen, wie z.B. Tod des eigenen Kindes; Krankheit mit Todesdiagnose; Krankheit ohne Genesung incl. der Unmöglichkeit, weiterhin wenigstens ein ein bißchen normales Leben führen zu können; ein dauerhaftes Leben mit (sich verstärkenden) Schmerzen sowie das veränderte Leben der Angehörigen. Da helfen keine Appelle, treu zu sein – mal gelingt es und mal nicht. Egal. ob treu oder nicht treu: Gott bleibt treu (vgl. Röm 3,3.4).

Treue zu Gott wächst, wenn ich Gott mit in mein Leben nehme, besonders in den Alltag – im Gottesdienst ist es einfach, treu zu sein. Diese Treue wächst auch, wenn ich im einen Augenblick treu und im nächsten untreu bin. Wenn ich grundsätzlich mit Gott leben will und ihm grundsätzlich näher kommen will, dann reicht das, d.h. ich sage einfach JA zu seiner Gnade und zu seiner unendlichen Liebe zu mir und jedem Menschen. Gottes Treue zu mir ist Gnade. Wenn ich dieses Geschenk annehme, dann bin ich seiner Gnade/Treue gewiss. Treue wächst nicht durch Appelle und dem Nacheifern nach Vorbildern. Appelle können nützliche Impulse sein, aber auch verängstigen, wenn sie dauernd wiederholt werden und dauernd mit Konsequenzen verstärkt werden. Wenn ich Vorbildern nachfolge, dann verwechsele ich leicht Treue zum Vorbild mit der Treue zu Gott. Wenn ich mit Gott im Gebet, in einem Dialog, in eine persönliche Beziehung hinein wachse, dann wird sich Treue entwickeln können. Dann brauche ich mich nicht anlügen: „Ich bin doch treu.“ Dann werde ich immer ein wenig treu sein, von Zeit zu Zeit, und auch meine untreuen Zeiten tragen zur Treue bei, denn durch Gottes Treue falle ich nie tiefer, wie in seine Hand – dieses Vertrauen hilft, treuer zu werden.

Dass Hanna Tag und Nacht betete und fastete, hat zunächst nichts mit Treue zu tun, sondern mit den gesellschaftliche Gegebenheiten. Witwen, die nicht wieder heirateten, standen damals am äußeren Rand der Gesellschaft. Wenn die Kinder aus dem Haus waren und sich nicht kümmerten oder wenn keine Kinder da waren, blieb den Witwen oft nicht mehr, als zu betteln, spätestens, wenn sie alt wurden. Dann erscheinen Beten und Fasten in einem ganz anderen Licht: es geht um das Überleben von einem Tag zum anderen.

Eine Bettelstelle am/im Tempel garantierte eher das Überleben, da Pilger wohl großzügiger waren, wie die Stadtbewohner. Im Tempel ergab sich sicher auch die eine oder andere Handreichung, die schmal vergolten wurde. Aus ihrem Glauben und in der religiösen Umgebung wird sich ein Dienen für Gott entwickelt haben, das dazu führte, dass Hanna treu werden/bleiben konnte. So kann sich Treue auch in schlechten Zeiten entwickeln – sie wird sich durch eigenes Vornehmen aber nicht erreichen lassen. Allein Gottes Gnade und Treue gibt mir die Möglichkeit treuer zu werden, in einem erfüllten und genossenen oder durchlittenen Leben, in das ich Gott mit hinein nehme.

Ich wünsche uns allen einen lebensbejahenden und Vertrauen in Gottes Treue schaffenden Gottesdienst
Fred
21.08.2010 20:22
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