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Zum Ende der Seite springen 29.08.2010 - Römer 15, 1.2
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fred
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An die Starken: Nicht Anstoß geben, sondern Rücksicht nehmen um Christi willen!
14,13 - 15,6

13 Hören wir darum auf, einander zu verurteilen! Statt den Bruder oder die Schwester zu richten, prüft euer eigenes Verhalten, und achtet darauf, alles zu vermeiden, was ihm ein Hindernis in den Weg legen und ihn zu Fall bringen könnte. 14 Durch den Herrn Jesus habe ich die volle Gewissheit, dass es nichts gibt, was von Natur aus unrein wäre. Für den allerdings, der etwas als unrein ansieht, ist es dann auch unrein. 15 Wenn du dich daher in einer Frage, die das Essen betrifft, so verhältst, dass dein Bruder oder deine Schwester in innere Not gerät, dann ist dein Verhalten nicht mehr von der Liebe bestimmt. Christus ist doch ´auch` für ihn gestorben. Stürze ihn nicht durch das, was du isst, ins Verderben! 16 Das Gute, das euch geschenkt wurde, darf nicht in Verruf kommen. 17 Denn im Reich Gottes geht es nicht um Fragen des Essens und Trinkens, sondern um das, was der Heilige Geist bewirkt: Gerechtigkeit, Frieden und Freude. 18 Wer Christus auf diese Weise dient, an dem hat Gott Freude, und er ist auch in den Augen der Menschen glaubwürdig. 19 Darum wollen wir uns mit allen Kräften um das bemühen, was zum Frieden beiträgt und wodurch wir uns gegenseitig ´im Glauben` fördern. 20 Zerstöre nicht das Werk Gottes wegen einer Frage, die das Essen betrifft! Zwar ist ´vor Gott` alles rein; verwerflich ist es jedoch, wenn jemand durch das, was er isst, einen anderen zu Fall bringt. 21 Deshalb ist es am besten, du isst kein Fleisch und trinkst keinen Wein und vermeidest auch sonst alles, was deinen Bruder oder deine Schwester zu Fall bringen könnte. 22 Behandle deine Überzeugung in diesen Dingen als eine Angelegenheit zwischen dir und Gott. Glücklich zu nennen ist der, der sich in Fragen der persönlichen Überzeugung so verhält, dass er sich nicht selbst anzuklagen braucht. 23 Wer jedoch etwas isst, obwohl er Bedenken hat, ob er es überhaupt essen darf, der ist damit verurteilt, denn er handelt nicht aus Glauben. Und alles, was nicht aus dem Glauben kommt, ist Sünde. 1 Wir als die ´im Glauben` Starken sind verpflichtet, die Bedenken der Schwächeren ernst zu nehmen, statt in selbstgefälliger Weise nur an uns zu denken. 2 Jeder von uns soll auf den anderen Rücksicht nehmen und danach fragen, was gut für ihn ist und was ihm im Glauben weiterhilft. 3 Auch Christus hat nicht danach gefragt, was ihm selbst gefallen würde. Es heißt ´von ihm` in der Schrift: »Gegen mich, o Gott, richten sich die Beschimpfungen deiner Feinde.« 4 Und alles, was die Schrift sagt und was doch schon vor langer Zeit niedergeschrieben wurde, sagt sie unseretwegen. Wir sind es, die daraus lernen sollen; wir sollen durch ihre Aussagen ermutigt werden, damit wir unbeirrbar durchhalten, bis sich unsere Hoffnung erfüllt. 5 Denn von Gott kommt alle Ermutigung und alle Kraft, um durchzuhalten. Er helfe euch, Jesus Christus zum Maßstab für euren Umgang miteinander zu nehmen und euch vom gemeinsamen Ziel bestimmen zu lassen. 6 Gott möchte, dass ihr ihn alle einmütig und mit voller Übereinstimmung preist, ihn, den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
(NGÜ – Neue Genfer Übersetzung; Titel: Paul Althaus, Das Neue Testament Deutsch, Der Brief an die Römer)


Leben in der Gemeinde im und aus dem Heilsgeschehen Christi

Nicht Geist und (neue) Gesetzlichkeit werden verkoppelt, sondern der entscheidende Punkt aus dem verbindlichen Heilswirken Christi, dem Ursprungsgeschehen des christlichen Glaubens wird mit Geist und Liebe, wie sie die Gemeinde durchwalten, zusammengebunden. So bleibt der Liebe eine geschichtlich offene, schöpferische Dynamik eigen, aber sie erhält doch auch durch die Vergegenständlichung mit Hilfe des Kreuzes eine feste Prägung, die sie, inhaltlich normgebend, an ihren Ursprung bindet.

Paulus kennt diese Art und Weise, christliches Lebensverständnis und Lebensgestaltung in grundsätzlicher Weise an das Christusgeschehen zu binden. In 2.Kor 8,9 wirbt Paulus für die Gaben der Kollekte als Erprobung der Liebe: »Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, daß er, obwohl er reich war, um unseretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet.« Röm 6,9-11 lauten: »...Christus von den Toten auferweckt, stirbt nicht mehr. Denn was er gestorben ist, ist er ein für alle Mal der Sünde gestorben; was er lebt, lebt er für Gott. So sollt auch ihr euch als solche ansehen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Jesus Christus, unserem Herrn.« Paulus formuliert in Römer 15,1-3: »Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten der Schwachen zu tragen und nicht uns selbst zu Gefallen zu leben. Jeder von uns lebe dem Nächsten zu Gefallen für das Gute zur Auferbauung (der Gemeinde). Denn auch Christus hat nicht sich selbst zu Gefallen gelebt, sondern wie geschrieben steht: „Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.“« (Ps 69,10 wird also als Ich-Rede Christi verstanden, der mit »dich“ jeden Menschen anredet). Wenig später schreibt Paulus (Röm 15,7): »Darum nehmet einander an, wie auch Christus euch angenommen hat, zur Ehre Gottes...«

Zum Verständnis dieser Aussagen ist es wichtig zu sehen, daß nirgends etwa eine Tugend oder Gesinnung des irdischen Jesus zur Nachahmung empfohlen wird. Jesus ist gerade nicht als Prophet oder Lehrer verstanden, der für seine Schüler ein Vorbild lebt und dessen tugendhafte Vorbildlichkeit ein Maßstab zum Leben seiner Nachfolger wird. Dem widerspricht der entscheidende Umstand, daß sich Jesu Tun gar nicht auf eine Gesinnung oder Haltung des Irdischen bezieht, sondern gerade von dem, der bereits vor seinem irdischen Leben existierte, gesprochen ist, der sich ins irdische Dasein erniedrigte. So bleibt die Sonderstellung Jesu unverrückbar bestehen, ja sie ist Basis der Aussage; Christus wird beschrieben als endzeitliche Heilsperson, die ein besonderes, gerade nicht nachahmbares Geschick ihr eigen nennt: Welcher Christ stirbt schon für die Menschheit! Welcher Christ kann auf solche Weise arm werden, daß er eine himmlische Lebensweise aufgibt!

Welcher Christ kann die Gottgleichheit aufgeben und erhält eine Herrenstellung über alle Wirklichkeit? Wenn also nicht ein vorbildliches Menschenleben nachgeahmt werden soll, wie sind dann diese Stellen zu deuten?

Um dies zu erkennen, machen wir uns klar, daß Christus immer durch eine Geschichte beschrieben wird. Sie ist durch die Erlösung des Menschen durch Christus Ursprungsgeschehen für die Glaubenden. Durch sie wird Christus zur endzeitlichen Zentralgestalt des Heils. Sein Gesamtgeschick geschah »für uns«. Genau dieses – nicht seine subjektive Demut – wird beschrieben mit Aussagen zum grundlegenden und objektiven Gesamtsinn dieses Geschehens und dieser Heilsperson: Christus als Heilsperson lebte nicht sich selbst zu Gefallen. Er als derjenige, der bereits vor seinem irdischen Leben existierte, erniedrigte sich. Das heißt: Solche Aussagen beschreiben das für die Menschheit Heilvolle in Gestalt eines Gesamturteils über den Gesamtvorgang der Sendung Christi. Als endzeitliche Zentralgestalt des Heils ist Christus so bestimmt, daß er in einer fundamentalen Weise ausweislich seines Gesamtgeschicks »für uns« da war. Zugunsten dieser Deutung gibt es eine indirekte Bestätigung, wenn man beachtet, daß bei Paulus immer nur ein und derselbe Grundzug des heilswirkenden Christusgeschehens im Blick ist. Also nicht verschiedene Tugenden oder Verhaltensweisen werden bei Jesus entdeckt, vielmehr immer nur auf das eine abgehoben, was das Christusgeschehen zum Heilsgeschehen »für uns« macht, also das Sich-Schenken dadurch, daß Christus dem Verlorenen nachgeht und es annimmt.

Von diesem Heilssinn leben die Glaubenden. Sie sind in ihn hingenommen: Sie sind durch Christus – d.h. durch Evangelium und Geist – reich gemacht, d. h. erlöst worden. Dieser Christus hat sich ihrer angenommen, d. h. sie errettet. So sind sie durch das Urbild ihres Heils geprägt. Der Geist der zuvorkommenden Liebe Gottes in Christus hat sie erreicht (Röm 5,5.8). Sie leben »in Christus« (Phil 2,5). Sie haben Christus »angezogen« (Gal 3,27). Kurzum: Sie sind neu geworden. Sie sind selbst ein Stück dieser Christuswirklichkeit geworden. Der Sinn des Christusgeschehens, nämlich das »für uns«, hat sie erreicht und umgestaltet. Christen stellen also gar nicht erst durch Nachahmung eine Beziehung zu dem Vorbild Christus her. Ihre Beziehung zu Christus gründet gar nicht im nachvollziehenden Tun, sondern in einem Sein, also im Leben im neuen Heilsstand.

Nun erst folgt daraus: Lebensverständnis und Lebensvollzug der Christen müssen christusartig sein. Ihr Verstehen und Handeln muß der neuen Wirklichkeit entsprechen. Geprägt durch Christus, muß das Leben der Christen persönliche Übereinstimmung zum Ursprungsgeschehen, also zum Geschick Christi, ausstrahlen.

Die Grundstruktur des Christusgeschehens, dem sich das neue Sein der Christen verdankt, war Erniedrigung im Sinne des Daseins für das Verlorene. Darum muß, wer »in Christus« ist, dieselbe Signatur tragen. In diesem Sinne kann Paulus davon reden, er sei ein »im Gesetz Christi« lebender Apostel (1.Kor 9,21). Oder er kann die Galater ermahnen, daß sie, die Geistbegabten, den Bruder, der einen Fehltritt tat, im Geist der Sanftmut zurechtweisen sollen, ja einer des anderen Lasten tragen müsse, denn auf diese Weise würde »das Gesetz Christi« erfüllt (Gal 6,1f.). In diesen Fällen geht es nicht um den Fortbestand der Geltung der fünf Bücher Mose, die durch Christus für Christen neue Autorität erhalten soll, sondern um den inneren Kern, um das »Wesen« des Christusgeschehens als verbindlichen »Kanon« (vgl. Gal 6,16). Vom Gesetz ist also im übertragenen Sinn geredet. Es geht um die normgebende Seite des Christusgeschehens selbst als Kehrseite des Heilssinnes dieses Ereignisses. Dieser wiederum kann auch als »Gesetz des Geistes des Lebens« (Röm 8,2; vgl. auch Röm 3,27) bezeichnet werden, also als bestimmt durch den lebendigmachenden Geist.

Nun kann man weiter beobachten, daß neben die normgebende Prägung durch die Christuswirklichkeit auch Paulus selbst als Vorbild für die Gemeinde treten kann. Insofern nämlich Paulus selbst christusgeprägt ist, repräsentiert er Christuswirklichkeit. Sie soll die Gemeinde, die selbst christusbestimmt ist, wahrnehmen und dabei Paulus' Handeln als vorbildlich erkennen, also nachahmen. So wird Paulus Vorbild für die Lebensführung seiner Gemeinden. Dies klingt gleich im ältesten paulinischen Dokument an (vgl. 1.Thess 2,1-12) und zieht sich über den starken Gebrauch in 1.Kor durch fast alle Briefe: Paulus beendet z.B. nicht nur den Gal mit diesem Thema (Gal 6,14-16; vgl. auch 4,12), sondern hat sein Christwerden und sein Christsein in Phil B* für das Lebensverständnis und die Lebensgestaltung jedes Christen als Vorbild und Muster veranschaulicht. Wie Paulus selbst ein Stück verleiblichte Christuswirklichkeit ist (vgl. z.B. 2.Kor 2,15; 4,7-10), so setzt er in seiner Lebensführung ja auch bewußt alles daran, christliches Vorbild als Apostel seines Herrn zu sein (1.Kor 9,19-27). Dieses Vorbild soll der Gemeinde Hilfe sein, selbst christliches Leben zu gestalten.

Von diesen Beobachtungen her kann ein Gedanke etwas grundsätzlicher bedacht werden. Es geht um die Frage der ethischen Entscheidungsfindung in den Gemeinden. Wenn Paulus einerseits der Verbindlichkeit christlicher Lebensführung wie selbstverständlich das Wort redet, weil für ihn eben Gottes Wille nicht vernachlässigt werden darf (vgl. Gal 6,7f.; Röm 13,1.5), andererseits er aber kein mosaisch gesetzlich fixiertes Ethos für Christen zulassen kann und will (vgl. Gal 2,19f.; 5,13; Phil 3,8-10; Röm 7f.), dann steht Paulus vor dem Problem, wie er den Willen Gottes als Heiligung (1.Thess 4,3.7f.) normgebend strukturiert und inhaltlich beschreibt, ohne in neue Gesetzlichkeit zu verfallen. Reicht es wirklich aus, nur dazu aufzufordern: »Alles prüft, das Gute behaltet« (1.Thess 5,21)? Ist es schon genug, das Prüfen des göttlichen Willens an die Verwandlung durch Erneuerung des eigenen Sinnes zu binden (Röm 12,2)? Mit solchen grundsätzlichen Aussagen waren die jungen Gemeinden doch wohl im Ernstfall überfordert! Das gilt sicher nicht nur für Korinth. Eine dem Evangelium angemessene Weise, die Komplexität einer Entscheidung durch einen einsichtigen und anerkannten Richtungssinn zu bestimmen, besteht nun zweifelsfrei darin, den normgebenden Gehalt des Christusgeschehens zu beschreiben oder die Christusgemäßheit eigener Lebensführung zu veranschlagen. Genau dies tut Paulus in Bezug auf Christus an zentraler Stelle in Phil 2 oder in Bezug auf sein Vorbild reichlich z.B. im 1.Kor.

Ethische Einzelfragen werden also z.B. über das Vorbild der apostolischen Lebensführung auf Entscheidungsziele hin ausgerichtet. Der Sachentscheid wird durch einen Personalentscheid mitbestimmt. Das gelebte Vorbild läßt normgebende Lebensgestaltung erfahren und hilft, die Komplexität der Lebensvielfalt so zu reduzieren, daß eigene Entscheide möglich werden. Es gibt wahrscheinlich einen recht anschaulichen Beleg, hinter dem die Reflexion über dieses Problemfeld erkennbar wird. Er steht in Phil B*. Hier formuliert Paulus am Schluß, nachdem er vorher sein Vorbild überhaupt in den Vordergrund gerückt hatte, zunächst so (Phil 4,8): »Im übrigen, Brüder, allem, was wahr, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, dem denket nach!« Man ist versucht zu sagen: noch offener kann man den ethischen Entscheid kaum beschreiben! Doch dann fährt Paulus fort (4,9): »Was ihr auch gelernt und überkommen und gehört und gesehen habt an mir, das tut.« Der komplexe Sachentscheid wird also durch Personalisierung gelenkt.
(nach und aus: Jürgen Becker »Paulus. Der Apostel der Völker«, S. 336 – 339, Mohr Siebeck UTB, 1998;
*: S. 325/327 - Der Philipperbrief als Briefsammlung: Phil A: 1,1-3,1; 4,1-7.10-23 / Phil B: 3,2-21; 4,8f.)


meine persönlichen Gedanken zum Bibelwort und für den Gottesdienst

Ich denke, das wichtigste, was in einer Gemeinde passieren soll, ist,
- dass Christi Heil für uns Gläubige,
- dass uns seine gegenwärtige Wirksamkeit für uns,
- dass uns unser Leben in Christi Heilssinn und Heilsstand immer wieder verdeutlicht wird.

Kurz ausgedrückt: Christus hat dir und mir sein vollgültiges Heil geschenkt – bei Gott sind du und ich vollkommen heil und erlöst. Hier auf der Erde nehmen du und ich das nur unvollkommen wahr. Deshalb sollen wir uns in der Gemeinde immer wieder gegenseitig darauf hinweisen.

Wenn Predigt und Seelsorge das nicht leisten (können), dann tun wir das doch gefälligst untereinander. Du und ich leben im Glauben in und aus Christi Heil. Daher haben du und ich Möglichkeit und Grund, uns untereinander immer wieder darauf hinzuweisen, damit Christi Heil
- lebendig bleibt,
- Mut macht,
- Kraft gibt,
- Freude wirkt,
- Motivation erzeugt,
- immer wieder das bedingungslose Angenommen-Sein durch und bei Gott klar hervortreten lässt.

Diese Freiheit in Christus, Gottes Liebe für Sünder, Christi Barmherzigkeit für Schwache, die (Mit-)Menschlichkeit, zu der der Heilige Geist in Jesu Sinn immer wieder aufruft, sind der Heilsstand, in dem alle Christen, auch du und ich leben dürfen und können, wenn wir uns darauf einlassen. Das ist das Bewusstsein, in dem zur Gewissheit wird,
- dass für dich und mich bei Gott alles in Ordnung gebracht ist,
- dass du und ich keine Angst vor irgendwelchen Folgen Gottes haben müssen, wenn wir mal wieder, wie so oft, gesündigt haben (egal, wer uns Angst und ein schlechtes Gewissen einreden will),
- dass du und ich nur in diesem Heilsstand leben wollen,
- dass du und ich in diesem Heilssinn von allein alles versuchen, um weniger zu sündigen.

Diese Gewissheit (des Heils) schafft Rückhalt und Sicherheit für ein christliches Leben. Da du und ich so gut von Gott versorgt sind, von seiner Liebe überflutet sind,
- können wir frei und offen darüber in der Gemeinde und auch sonst reden,
- können wir frei und offen danach in der Gemeinde und auch sonst danach leben,
- können wir voller Mut und Antrieb, die moralischen und ethischen Fehler bei uns selbst angehen, die Christus monieren würde,
- können wir uns untereinander liebevoll und annehmend, aber trotzdem klar formuliert auf diese Fehler hinweisen, ohne sofort eine Zustimmung der Änderung zu verlangen.

Der „Trick“ liegt darin, den anderen nicht ändern zu wollen, sondern ihn so zu nehmen, zu lieben, wie er ist. Wenn du und ich unsere Nächsten in der Gemeinde und in unserem Umfeld (mit ganzem Herzen) wertschätzend behandeln und als gleichwertig ansehen, dann werden deine und meine Worte und unsere scherbenhafte Vorbilder ihren Weg gehen, werden die Seele des Nächsten erreichen – wenn nicht gleich oder bald, dann später.

So hat Jesus das auch gemacht, als er sagte (Joh 8,11): „So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.“ Jesus hat die Frau wahrscheinlich nie mehr wiedergesehen und konnte nicht sicher sein, dass sie seine Worte befolgt. Aber er hat ihr vertraut, er hat es ihr zugetraut, er hat als Starker nicht auf sie herabgeschaut. Du und ich können uns der Wirkung unserer Worte zum Nächsten, zum Schwachen in und außerhalb der Gemeinde nicht sicher sein. Aber wir können den Nächsten, den Schwachen vertrauen, es ihnen zutrauen, wenn wir vorher auf gleicher Ebene mit ihnen geredet bzw. gelebt haben. Und wir können um Gottes Segen und Hilfe bitten, dass unsere Nächsten, so leben können, dass sie Gott näher kommen.

Wenn du und ich uns frei für Christi Heil entscheiden (möchten), dann sollen wir es auch jedem anderen zutrauen und zugestehen. Deine und meine Freiheit hört dort auf, wo du und ich, die Freiheit der Nächsten berühren. Wenn Du und ich die Freiheitszone unserer Nächsten mit deren Einverständnis betreten dürfen, dann ist es etwas anderes – aber unser Verhalten sollte dann das eines Gastes sein, der sich vorsichtig und zuvorkommend verhält, weil die Sitten seines Gastgebers nicht kennt.

Dann benehmen du und ich uns nicht selbstgefällig und benehmen uns rücksichtsvoll, wie im Bibelwort von Paulus gefordert. Dann zeigen wir, dass wir neu geworden sind, das wir in die Wirklichkeit Christi eingetaucht sind. Dann lernen und erahnen wir, wie Christus es gemeint haben könnte. Wir erahnen in unserem Handeln, warum uns Christus angenommen und errettet hat. Der Geist der zuvorkommenden Liebe Gottes in Christus hat dich und mich erreicht (vgl. Röm 5,5.8) und wir durften daraus schöpfen und davon an unsere Nächsten weitergeben.

Es kommt bei diesem Weitergeben nicht so sehr auf das Thema der Gespräche und die Inhalte des Vorlebens und Miteinander-Lebens an, sondern auf die liebende Haltung zu unserem Nächsten in der Gemeinde und in unserem Umfeld an. Es kann sich
- um Handreichungen,
- um aufwendige Hilfestellungen,
- um einen Blick,
- um eine offene Körperhaltung im Umgang,
- um Small-Talk,
- um tiefschürfende Glaubensdiskussionen,
- um Anteilnahme,
- um schützenden Widerspruch bei verbalen Angriffen,
- um Zuhören beim Äußern von scharfer Kritik,
- um gemeinsame Arbeiten
usw. handeln.

Dein und mein Bruder ist so gut wie du und ich, deine und meine Schwester ist so gut wie du und ich, unsere Nächsten sind so gut wie wir. Jesus hat nicht gezeigt, wie stark er ist, was er für ein „toller Hecht“ ist. Er hat niemanden klein oder lächerlich gemacht. Er ist jedem auf dessen Ebene begegnet, hat aber, im Vertrauen auf besseres Tun durch seinen Gesprächspartner in der Zukunft, geantwortet. Jesus sah die Möglichkeiten, das Potential seiner Gesprächspartner, nicht seine Schwächen und Einschränkungen, schon gar nicht auf persönliche Abneigungen.

Jeder hat Potential. Es will nur von dir und mir gefunden werden – in dir und mir selbst und besonders auch im Nächsten. Gemeinschaft in der Gemeinde heißt auch, bei den Geschwistern deren Potential zu suchen, dieses anzuerkennen, die Anerkennung zu zeigen (sehr wichtig!), Mut zum Ausprobieren machen ohne zu überfordern und Freude und Lob zu zeigen, wenn etwas Neues entsteht – im Leben und im Glauben.

Ich wünsche uns allen einen Gottesdienst, der deutlich macht, dass Christus immer wieder verantwortliche Entscheidungen fordert und es kaum einfache Regeln gibt, denen es nachzufolgen gilt
Fred
28.08.2010 20:11
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