Welches Gottesbild soll vermittelt werden? |
Dietmar unregistriert
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Hallo zusammen,
irgendwie konnte ich dieses Thema nirgendwo zuordnen...
ich moechte gerne einen laengeren Abschnitt aus einem Ratgeber zur religiösen Erziehung von Kindern zur Diskussion geben, der aus evangelistischen Kreisen stammt (hat nichts mit der Evangelischen Kirche zu tun
)
Der Autor empfiehlt, seine Kinder nach den Weisheiten Salomos zu erziehen, um sie im rechten Sinne zu Christen werden zu lassen. In diesem Sinne schreibt er:
"Es ist wirklich wichtig, Deine Kinder die Furcht vor Gott, besonders die Furcht vor seinem Missfallen zu lehren, Deine erziehreische Aufgabe hast Du noch nicht erfuellt, wenn Du Dein Kind soweit hast, dass es Dir gehorcht. Wenn Du in Sachen Bestrafung fest und konsequent bist, wird dein Kind dir vielleicht gehorchen, weil es Angst hat, deine Massstaebe zu verletzen. Das erreicht man ziemlich leicht, doch das ist nicht das eigentliche Ziel biblischer Erziehung. Dein Kind sollte sich davor fürchten, *Gottes* Massstäbe zu verletzen, nicht bloss deine. Wenn deine Kinder groesser werden und nur dein Missfallen fuerchten, aber nicht Gottes, was werden sie wohl in deiner Abwesenheit tun?
Deine Kinder muessen aufwachsen in dem Bewusstsein: Tun sie Boeses, dann sergern sie damit nicht nur Mutti, dann sind sie nicht nur dem Papa gegenueber widerspenstig, dann stiften sie nicht nur in der Familie Unruhe, sondern sie widersetzen sich einem heiligen Gott, wenn sie ungehorsam sind. Wer seine heiligen Prinzipien verletzt, muss mit Konsequenzen seitens Gottes rechnen.
Als Vater wollte ich nicht nur, dass meine Kinder die vaeterliche Bestrafung fuerchten. Ich wollte, dass sie Gottes Zuechtigung fuerchten. Natuerlich wollte ich auch, dass sie auch die Zuechtigung durch mich fuerchten, doch das war Nebensache. Ich wusste, dass ich nicht immer gegenwaertig sein und sie zur Verantwortung ziehen konnte, aber Gott tut das. Und die Folgen fuer den, der sich seinem Willen widersetzt, sind unendlich groesser als die Folgen des Ungehorsams gegenueber Menschen je sein koennten. Leider wachsen heute nur wenige Kinder mit diesem Verstaendnis auf."
(John MacArthur: "Kindererziehung - wir wollen es besser machen!" Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld 2003. S. 79-80. Kompletter Download kostenlos unter http://www.clv.de/pdf/255254.pdf)
In mir kommt die Frage auf, inwieweit Salomos Weisheiten zur Kindeserziehung fuer Euch relevant sind? Und genereller: vermittelt ihr das Bild eines liebenden Gott oder das eines strafenden, wie in diesem christlichen Ratgeber postuliert? Was haltet ihr von solchen Ratschlaegen? Welches Gottesbild wollt ihr vermitteln?
Dietmar,
der frueher sogar jemanden in seinem jugendlichen Freundeskreis hatte, deren Eltern ihn konsequent nach Salomo erzogen...
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03.11.2003 15:29 |
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sonnja unregistriert
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Hallo Dietmar,
erst heute Morgen habe ich im Kleinkind-Forum etwas Ähnliches angerissen, dann sah ich Deinen Beitrag und versuche seitdem, die Zeit zu finden, meine Meinung dazu zu schreiben. Jetzt liegen die Lütten im Bett und ich kann meinem Entsetzen Luft machen.
Sicherlich gibt es verschiedene Erziehungsstile. Seitdem ich Kinder habe, habe ich verschiedene Möglichkeiten der Erziehung angedacht, ausprobiert und auch wieder verworfen. Das sei mal vorweggeschickt.
Ich finde, der Verfasser dieser Zeilen macht es sich etwas zu einfach.
Er will für (bzw. gegen) seine Kinde eine Autorität sein. Sie sollen vorbehaltlos machen, was er will. Aber das reicht ihm nicht, nein, falls er mal nicht da ist, wissen die Kinder, dass es noch eine Autorität gibt, die nie weg ist und das ist Gott!?
Ich habe bisher immer versucht, bei meinen Kindern Verständnis für Ver- und Gebote zu erwecken. Und wenn ein Kind versteht, warum es etwas nicht machen soll, dann wird es das auch nicht tun, wenn ich nicht da bin. Und solange es meine Anweisungen nicht verstehen kann oder möchte, kann ich es halt nicht alleine lassen!
Den Anspruch, dass meine Kinder etwas tun oder lassen sollen, nur um mir damit zu gefallen, hatte ich nie.
Ich habe nach jahrelangen Depressionen, unter anderem durch ein negatives Gottesbild, in einer Therapie gelernt, dass UNSER Gott nicht der strafende ist, der alles sieht und be- bzw. verurteilt, sondern, dass ich in Gottes Liebe geborgen bin und mir nichts aber auch gar nicht passieren kann, wenn ich diese Liebe für mich annehme. Dass ich mich freuen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass ich hinterher dafür bestraft werde, weil Gott Leiden wohlgefälliger findet.
Und genau das möchte ich meinen Kindern vermitteln und zwar von Anfang an!
Wenn man König Salomo zu Erziehungszwecken heranzieht, warum nicht den Prediger, Kapitel 3 + 4 zum Beispiel, der relativiert doch so manches, was uns im Moment wichtig erscheint. Auch das Hohelied ist sehr schön und sicher für die älteren Kinder geeignet, um sie zu sinnlichen Menschen zu „erziehen“.
In den „Sprüchen“ findet man sicher einige Absonderlichkeiten, aber beim Lesen drängt sich mir immer der Gedanke auf, dass sie sehr aus dem Zusammenhang gerissen scheinen.
Einen gemütlichen Samstag wünscht
sonnja
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09.11.2003 12:24 |
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Dietmar unregistriert
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Hi Sonnja,
ich teile Deinen Standpunkt bezueglich dieses Autors. Vor allem erschrickt es mich, dass zudem dahinter eine Art "Besitzanspruch" auf das Kind steckt. Zumindest meine ich, dies heraus zu hoeren. Auch wenn ich diese Weisheiten Salomos lese, habe ich den Eindruck, dass Sinn und Zweck der Erziehung sein soll, dass das Kind zur eigenen "Freude" dienen bzw. den Eltern gefuegig sein soll: Du bist *mein* Besitz, liebes Kind, also hast Du fuer unsere Zwecke und zu unserer Freude zu funktionieren.
Bezueglich des Sohnes meiner Freundin sehe ich es eher so, dass Julian niemanden gehoert. Weder seiner Mutter, noch seinem Vater, und mir erst recht nicht. Wir haben die *Verantwortung* gegenueber dem Kind, aus ihm einen reifen, selbstaendigen, sozial kompetenten Menschen zu machen, ihm Liebe und Geborgenheit zu bieten und dergleichen mehr, aber keinen *Besitzanspruch*.
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11.11.2003 13:52 |
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sonnja unregistriert
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Hallo Dietmar!
In der Generation unserer Eltern und vorher gab es einen Erziehungswahlspruch:
Du musst den Willen Deines Kindes bis zum 3. Lebensjahr brechen!
Den kannte der Autor, des von Dir zitierten Rates sicher auch!
Ich hoffe, heute praktiziert das niemand mehr.
sonnja
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12.11.2003 09:16 |
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Dania unregistriert
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In meinem Pädagogik-Studium habe ich gelernt, ein Kind lernt durch Anschauung, man könnte auch sagen durch Vorbild. Zum Teil bewußt, sehr vieles unbewußt übernimmt ein Kind in seine Persönlichkeitsstruktur. Was das Kind auf diese Weise früh lernt, wird zum Determinanten in seinem Leben.
Lebt man, oder bemüht sich zumindest darum einem Kind das vorzuleben, was man mal an ihm sehen, wahrnehmen, erleben will, kann man hoffen, daß man das sich selbst gesteckte Erziehungsziel erreichen kann. Natürlich spielen viele andere Faktoren eine maßgebliche Rolle mit bei der charakterlichen Entwicklung eines Kindes.
Aber die Grundvoraussetzung für eine gute Entwicklung ist, wie es der Begründer der Volksschule, Johann-Heinrich-Pestalozzi, schon ausgeführt hat, wichtig ist es das "Kennen", daß "Wollen" und das "Können" zu fördern und darüber hinaus dem Kind ein Aufgehobensein entsprechend dem von ihm propagierten "Wohnstubenprinzig" zu bieten. Zunächst im Elternhaus, später in Schule und Beruf. Damit wollte er ausdrücken, fühlt sich ein Kind seelisch gut aufgehoben, geborgen, hat es gute Vorbilder - Anschauungen, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft.
Wir NAK-Eltern haben ja bei der Taufe unserer Kinder betont und unser Ja-Wort gegeben, ich hoffe, daß ist auch in Zukunft noch so, dieses Kind im Sinn und Geiste Christi zu erziehen und damit schaffen wir insgesamt gute Voraussetzungen für einen guten Weg unserer Kinder durch dieses Leben. Bleiben sie treu im Werke Gottes, bemühen sich das verheißene Glaubensziel zu erreichen, dann haben wir Grund zu tiefer Dankbarkeit und Freude.
Dania
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07.12.2007 22:02 |
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